Zum Inhalt springen
FSPpruefung.de
FSP-Wissen Preis FAQ Anmelden Kostenlos starten
DE EN

Konjunktiv I in der FSP-Dokumentation: Regeln, Verbtabelle, Beispiele

Kurz gesagt

In der schriftlichen Dokumentation der FSP geben Sie wieder, was die Patientin oder der Patient gesagt hat — nicht, was Sie selbst festgestellt haben. Dafür steht die indirekte Rede im Konjunktiv I: „Die Patientin gibt an, sie habe seit gestern Bauchschmerzen.“ Sie bilden ihn aus dem Präsensstamm plus Endung; in der 3. Person Singular endet er auf -e (habe, nehme, leide), bei „sein“ heißt er sei, im Plural seien. Klingt der Konjunktiv I wie der Indikativ — vor allem in der 3. Person Plural („sie haben“) —, nehmen Sie den Konjunktiv II („hätten“); erst wenn auch der nicht eindeutig ist, „würde“ + Infinitiv.

Warum die Dokumentation indirekte Rede braucht

Im Anamnesebogen und im Arztbrief stehen zwei Arten von Information nebeneinander: Angaben der Patientin, die Sie nicht überprüft haben, und Ihre eigene ärztliche Einschätzung. Der Konjunktiv I kennzeichnet die erste Gruppe als wiedergegebene Rede. „Die Patientin hat Fieber“ klingt wie ein gemessener Befund; „sie habe heute Morgen 38,6 °C gemessen“ zeigt, dass die Information von ihr stammt.

Genau diese Trennung verlangen die Kammern in ihren eigenen Worten. Sachsen schreibt: „Geben Sie exakt das Gesagte wieder, interpretieren Sie nichts.“ Rheinland-Pfalz will klinische Angaben „so, wie vom Patienten berichtet“. Berlin bewertet, ob das Dokument „grammatisch korrekt“ ist und „die wesentlichen Anamnesebefunde semantisch korrekt“ wiedergibt.

Eine ausdrückliche Konjunktiv-Pflicht steht in keinem der Kammerdokumente, die für diesen Artikel ausgewertet wurden. Die Praxis zeigt aber, was erwartet wird: Die Musterbriefe der Landesärztekammer Brandenburg geben die gesamte Anamnese in indirekter Rede wieder — „Sie gab an, dass ihre Beine seit mehreren Wochen dicker geworden seien und sie seit ein paar Tagen nicht mehr ihre Schuhe anziehen könne.“ Und laut Duden ist die indirekte Rede der Hauptverwendungsbereich des Konjunktivs I. Überall dort, wo Ihre Kammer ganze Sätze verlangt (eine Übersicht steht im Artikel Dokumentation in der FSP), ist der Konjunktiv I deshalb der sichere Standard.

Wer spricht? Konjunktiv, Indikativ oder Stichwort

Textteil Form Beispiel
Redeeinleitung Indikativ Die Patientin berichtet, … / Fieber wird verneint.
Angaben der Patientin Konjunktiv I, wo nötig Ersatzform … sie habe zweimal erbrochen.
Eigene Einschätzung, Plan Indikativ Es besteht der Verdacht auf eine Cholezystitis. Geplant ist eine Sonographie.
Befunde und Verlauf im Arztbrief Indikativ Präteritum Sonographisch zeigte sich eine Harnstauung.
Kopffelder, Stichpunkte ohne Verb Penicillinallergie (Exanthem)

Daraus folgen zwei Regeln. Erstens: Das Tempus der Redeeinleitung ändert den Konjunktiv nicht — „sie gibt an, sie habe …“ und „sie gab an, sie habe …“ sind beide richtig. Zweitens: Sie müssen nicht jeden Satz neu einleiten. Ohne „dass“ oder Fragewort ist der Konjunktiv das einzige Zeichen der indirekten Rede und deshalb Pflicht; der Duden nennt das Beispiel „Er sagt, er sei (nicht: ist) müde. Heute sei (nicht: ist) wohl nicht sein Tag.“ Ein Absatz kann also mit „Die Patientin berichtet, …“ beginnen und in Konjunktiv-Sätzen ohne neue Einleitung weiterlaufen. Nach „dass“ ist der Konjunktiv ebenfalls richtig: „Sie gibt an, dass sie seit gestern Schmerzen habe.“

So bilden Sie den Konjunktiv I

Gegenwart: Präsensstamm plus Endung

Nehmen Sie den Infinitiv, streichen Sie „-en“ und hängen Sie die Konjunktiv-Endung an: -e, -est, -e, -en, -et, -en. Für die Dokumentation brauchen Sie fast nur die 3. Person Singular auf -e: haben → er habe, nehmen → sie nehme, leiden → er leide, rauchen → sie rauche.

Der Vokalwechsel des Indikativs fällt dabei weg, weil die Form vom Infinitiv kommt: er nimmt → er nehme, sie gibt an → sie gebe an, es tritt auf → es trete auf, sie schläft → sie schlafe, er trägt auf → er trage auf, er weiß → er wisse. Ebenso bei den Modalverben: er kann → er könne, sie muss → sie müsse, er darf → er dürfe.

„Sein“ ist unregelmäßig und in allen Personen eindeutig: ich sei, du sei(e)st, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien. Trennbare Verben bleiben getrennt: „Sie nehme regelmäßig Metformin ein.“ „Der Schmerz strahle in die rechte Schulter aus.“

Vergangenheit: habe oder sei plus Partizip II

Hat die Patientin über etwas Vergangenes gesprochen — ob im Perfekt („ich habe erbrochen“) oder im Präteritum („es fing gestern an“) —, verwenden Sie den Konjunktiv I der Vergangenheit: „habe“ oder „sei“ plus Partizip II. Der Duden beschreibt es als Zeitverhältnis: gleichzeitig → Konjunktiv I Präsens, vorzeitig → Konjunktiv I Perfekt, nachzeitig → Konjunktiv I Futur.

Das Hilfsverb ist dasselbe wie im Perfekt: „sie habe erbrochen“, aber „die Schmerzen seien aufgetreten“, „er sei gestürzt“. Bei Modalverben steht der Infinitiv statt des Partizips: „Sie habe die ganze Nacht nicht schlafen können.“

Zukunft und Passiv

Zukunft: „werde“ + Infinitiv — „Er werde am Montag wieder arbeiten.“ Passiv: „werde“ bzw. „sei … worden“ — „Sie sei noch nie operiert worden.“ „1995 sei ein Kaiserschnitt durchgeführt worden.“

Ersatzformen: Konjunktiv II und „würde“

Bei den meisten Verben unterscheidet sich der Konjunktiv I nur in einigen Personen vom Indikativ. Am Beispiel „haben“:

Person Indikativ Konjunktiv I eindeutig?
ich habe habe nein
du hast habest ja
er, sie, es hat habe ja
wir haben haben nein
ihr habt habet ja
sie (Plural) haben haben nein

In der Anamnese betrifft das vor allem die 3. Person Plural: „die Schmerzen“, „die Eltern“, „die Beschwerden“. Die 1. Person Singular („ich habe“) ist zwar ebenfalls nicht eindeutig, spielt aber kaum eine Rolle, weil aus „ich“ in der Dokumentation „er“ oder „sie“ wird. Wichtiger ist „wir“: „Meine Frau und ich haben dasselbe gegessen“ wird zu „seine Frau und er …“, also zur 3. Person Plural. Dann gilt diese Reihenfolge:

  1. Konjunktiv I, wenn er eindeutig ist: „Die Beschwerden seien gestern aufgetreten.“ Bei „sein“ ist er immer eindeutig.
  2. Konjunktiv II, wenn der Konjunktiv I wie der Indikativ klingt: „Die Schmerzen hätten gestern begonnen“ (nicht: haben), „Die Kopfschmerzen kämen meist morgens“ (nicht: kommen), „Es bestünden Übelkeit und Appetitlosigkeit“ (nicht: bestehen).
  3. „würde“ + Infinitiv, wenn auch der Konjunktiv II wie das Präteritum klingt — das gilt für alle regelmäßigen Verben — oder veraltet wirkt: „Beide Eltern würden rauchen“ (rauchten = Präteritum), „Die Anfälle würden meist abends beginnen“ statt des gestelzten „begännen“.
  4. Oft am elegantesten: umformulieren. Ein Subjekt im Singular oder ein Satz mit „sein“ macht die Form eindeutig: „Beide Eltern seien Raucher.“ „Der Schmerz nehme nachts zu.“

Die würde-Form ist Ersatz, kein Standard. Wo der Konjunktiv I eindeutig ist, ist „würde“ missverständlich und schlechter Stil: „Der Patient würde rauchen“ klingt nach „er würde rauchen, wenn …“. Richtig ist „Der Patient rauche“. Der Duden empfiehlt die würde-Form in der indirekten Rede nur für Zukünftiges oder Irreales und als Ersatz für nicht eindeutige Formen. Auch in der Vergangenheit bleibt es bei „hätten … gehabt“, nicht „würden … gehabt haben“.

Verbtabelle: 27 Verben aus der Anamnese

Verb er/sie (Konj. I) Vergangenheit Plural: Ersatzform
sein sei sei gewesen seien (eindeutig)
haben habe habe gehabt hätten
werden werde sei geworden würden
können könne habe … können könnten
müssen müsse habe … müssen müssten
dürfen dürfe habe … dürfen dürften
(ein)nehmen nehme (ein) habe (ein)genommen nähmen (ein)
rauchen rauche habe geraucht würden rauchen
trinken trinke habe getrunken würden trinken
leiden (an + Dat.) leide habe gelitten würden leiden
verspüren verspüre habe verspürt würden verspüren
bemerken bemerke habe bemerkt würden bemerken
auftreten trete auf sei aufgetreten träten auf
bestehen bestehe habe bestanden bestünden
beginnen beginne habe begonnen würden beginnen
ausstrahlen strahle aus habe ausgestrahlt würden ausstrahlen
zunehmen nehme zu habe zugenommen nähmen zu
kommen (es komme zu …) komme sei gekommen kämen
erbrechen erbreche habe erbrochen würden erbrechen
schlafen schlafe habe geschlafen würden schlafen
wissen wisse habe gewusst wüssten
sich fühlen fühle sich habe sich gefühlt würden sich fühlen
vertragen vertrage habe vertragen würden vertragen
verneinen verneine habe verneint würden verneinen
angeben gebe an habe angegeben gäben an
berichten berichte habe berichtet würden berichten
klagen (über + Akk.) klage habe geklagt würden klagen

Zwei Anmerkungen. „Würden“ bei „werden“ ist kein würde-Ersatz, sondern der Konjunktiv II von „werden“ selbst. Und bei trinken, beginnen, erbrechen und vertragen gibt es eindeutige Konjunktiv-II-Formen (tränken, begännen, erbrächen, vertrügen); sie gelten aber als veraltet, deshalb steht in der Tabelle die würde-Form.

Redeeinleitende Verben und ihre Präpositionen

Wechseln Sie die Einleitung, statt jeden Satz mit „Der Patient gibt an“ zu beginnen — und achten Sie auf Präposition und Kasus:

20 Umformungen: vom Patientenzitat zum Dokumentationssatz

Die Zitate stammen aus den fiktiven Übungsfällen von fsppruefung.de.

Patientin oder Patient sagt Dokumentation
„Ich habe seit gestern Bauchschmerzen.“ Sie habe seit gestern Bauchschmerzen.
„Gestern Mittag fing es um den Bauchnabel an.“ Die Schmerzen hätten gestern Mittag um den Bauchnabel herum begonnen.
„Heute Nacht ist es nach rechts unten gewandert.“ In der Nacht sei der Schmerz in den rechten Unterbauch gewandert.
„Ich habe heute Morgen 38,2 gemessen.“ Sie habe heute Morgen 38,2 °C gemessen.
„Mir ist übel, und einmal habe ich erbrochen.“ Ihr sei übel, sie habe einmal erbrochen.
„Das zieht nach unten in die Leiste, bis in den Hoden rein.“ Der Schmerz strahle in die Leiste und bis in den Hoden aus.
„Heute früh war der Urin so rötlich.“ Am Morgen sei der Urin rötlich gewesen.
„Brennen hab ich keins.“ Brennen beim Wasserlassen wird verneint.
„Vor zwei Jahren ist schon mal ein Stein von alleine abgegangen.“ Vor zwei Jahren sei bereits ein Stein spontan abgegangen.
„Zehn Zigaretten am Tag, seit ich achtzehn bin.“ Er rauche seit dem Alter von 18 Jahren etwa zehn Zigaretten täglich.
„Mein Vater hatte auch Nierensteine, mehrmals.“ Der Vater habe mehrfach Nierensteine gehabt.
„Meine Mutter hatte auch immer solche Kopfschmerzen.“ Die Mutter habe ebenfalls an solchen Kopfschmerzen gelitten.
„Ich nehme Metformin 1000, morgens und abends.“ Sie nehme Metformin 1000 mg morgens und abends ein.
„Die Wassertablette hab ich seit zwei Wochen weggelassen.“ Das Torasemid habe er seit zwei Wochen nicht mehr eingenommen.
„Flach liegen geht gar nicht mehr, da krieg ich keine Luft.“ Flaches Liegen sei nicht mehr möglich, da er dann keine Luft bekomme.
„Nachts muss ich dreimal raus zum Wasserlassen.“ Nachts müsse er dreimal zum Wasserlassen aufstehen.
„Die Socken drücken abends so, dass richtige Rillen bleiben.“ Abends würden die Socken tiefe Abdrücke hinterlassen. Eleganter: Abends seien an beiden Beinen tiefe Sockenabdrücke zu sehen.
„Meine Frau sagt, gestern Abend hätte ich komisch geredet. Ich weiß davon nichts mehr.“ Nach Angaben der Ehefrau habe er gestern Abend „komisch geredet“; er selbst könne sich daran nicht erinnern.
„Muss ich operiert werden, und bleibt da eine große Narbe?“ Die Patientin fragt, ob sie operiert werden müsse und ob eine große Narbe bleibe.
„Wir bauen gerade ein Haus, das ist der reinste Stress. Ich schlaf schlecht.“ Er baue mit seiner Familie gerade ein Haus, das sei „der reinste Stress“; er schlafe schlecht.

Achten Sie auf die kleinen Verschiebungen: „ich“ wird „er/sie“, „mir“ wird „ihm/ihr“, „mein“ wird „sein/ihr“. Zeitangaben wie „seit gestern“ können bleiben, weil Sie am selben Tag dokumentieren. Und wo eine Übersetzung schon eine Deutung wäre („komisch geredet“ ist nicht dasselbe wie „verwirrt“), behalten Sie den Wortlaut in Anführungszeichen.

Häufige Fehler

Falsch Richtig Warum
Der Patient hat seit zwei Tagen Fieber. Der Patient habe seit zwei Tagen Fieber. Patientenangabe, kein Befund
Er würde täglich rauchen. Er rauche täglich. Konjunktiv I ist eindeutig
Die Schmerzen haben gestern begonnen. Die Schmerzen hätten gestern begonnen. Plural: Konjunktiv I = Indikativ
Die Schmerzen sein stärker geworden. Die Schmerzen seien stärker geworden. Plural von „sei“ ist „seien“
Er nimme / sie gibe an / es trite auf Er nehme / sie gebe an / es trete auf kein Vokalwechsel im Konjunktiv I
Sie könnte nachts nicht schlafen. Sie könne nachts nicht schlafen. „könnte“ klingt nach Möglichkeit
Die Schmerzen hätten plötzlich aufgetreten. Die Schmerzen seien plötzlich aufgetreten. „auftreten“ bildet das Perfekt mit „sein“
Sie gab an, sie hatte Fieber. Sie gab an, sie habe Fieber gehabt. Vergangenheit: habe/sei + Partizip II
Der Patient berichte, dass … Der Patient berichtet, dass … Die Redeeinleitung steht im Indikativ
Es bestehe der Verdacht auf eine Appendizitis. Es besteht der Verdacht auf eine Appendizitis. Eigene Einschätzung: Indikativ
Sie klagt über starken Schmerzen. Sie klagt über starke Schmerzen. „klagen über“ + Akkusativ
Die Mutter leidet unter einer Hypertonie. Die Mutter leide an einer Hypertonie. Krankheit: „leiden an“, dazu Konjunktiv

Vermeiden Sie außerdem den ständigen Wechsel zwischen „habe“, „hätte“ und „hat“ im selben Absatz und eine Häufung von „würde“. Beides macht den Text unsicher, und wo Grammatik ausdrücklich bewertet wird — etwa in Berlin —, kostet es Punkte. Weitere Stolpersteine aller Prüfungsteile sammelt der Artikel Häufige Fehler in der FSP; wie die Anamnese im Gespräch zustande kommt, steht unter Anamnesegespräch.

Quellen

Bereit zu üben statt zu lesen?

Ihre erste komplette Prüfungssimulation ist kostenlos.

Kostenlos starten