Notizen und Zeitmanagement in der FSP: Vorlage für 3 × 20 Minuten
Kurz gesagt
In fast allen Kammern dürfen Sie während des Arzt-Patienten-Gesprächs handschriftliche Notizen machen; Papier und Stift stellt meist die Kammer. Die Notizen werden nicht bewertet und in mehreren Kammern am Ende eingesammelt — und sie sind Ihre einzige Quelle für den Dokumentationsbogen in Teil 2 und die Fallvorstellung in Teil 3. Für Teil 2 erlauben sie Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Bayern, Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen ausdrücklich, für Teil 3 Westfalen-Lippe und Niedersachsen. Wer seine Notizen wie den Bogen aufbaut, überträgt sie in Teil 2 eins zu eins.
Was die Kammern zu Notizen und Hilfsmitteln sagen
| Kammer | Notizen in Teil 1 | Ausdrücklich erlaubt in | Teil 2: Medium und Hilfsmittel |
|---|---|---|---|
| Westfalen-Lippe | ja, Papier und Stifte liegen bereit | Teil 2 und 3 | Berichtsbogen, handschriftlich oder am PC; medizinisches Wörterbuch |
| Niedersachsen | ja, Papier liegt bereit | Teil 2 und 3 | Aufnahmebogen, „handschriftlich und leserlich“; medizinisches Wörterbuch |
| Bayern | ja, Schreibutensilien im Raum | Teil 2 | strukturierte Vorlage, Laptop oder Hand |
| Berlin | ja | Teil 2 | strukturierte Vorlage, Computer oder Hand; medizinisches Fachwörterbuch |
| Baden-Württemberg | ja | Teil 2 | Anamnesebogen; medizinisches Fachwörterbuch |
| Sachsen | ja, auch in der Muttersprache | Teil 2 | strukturiertes Formular; Fachwörterbuch, sonst keine Hilfsmittel |
| Thüringen | ja | Teil 2 | Arztbericht in ganzen Sätzen; medizinisches Wörterbuch |
| Nordrhein | leerer Notizblock und Stift | nicht ausdrücklich geregelt | Anamnesebogen; keine weiteren Hilfsmittel |
| Hamburg | Notizblock und Stift | nicht ausdrücklich geregelt | handschriftlich auf vorgegebenem Formular; keine weiteren Hilfsmittel |
| Hessen | ja, Papier gestellt, eigene Stifte (keine Bleistifte) | nicht ausdrücklich geregelt | Anamnesebogen; keine Hilfsmittel |
Die Notizen fließen nicht in die Bewertung ein (so ausdrücklich Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Nordrhein, Hamburg und Sachsen-Anhalt); Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Bayern und Berlin sammeln sie am Ende ein. Eigene Hilfsmittel sind nicht erlaubt; Westfalen-Lippe und Niedersachsen schreiben: „Mobiltelefone, Gepäck oder Hilfsmittel dürfen nicht in die Prüfungsräume mitgenommen werden.“ Wo eine Kammer die Verwendung in Teil 2 oder 3 nicht ausdrücklich regelt, fragen Sie bei der Einweisung nach, statt es vorauszusetzen. Brandenburg bittet, „Kugelschreiber oder Füller“ mitzubringen, Hessen eigene Stifte.
Notizen in der Muttersprache erlaubt ausdrücklich nur Sachsen („gegebenenfalls auch in Ihrer Muttersprache“). Deutsche Stichwörter sparen trotzdem Zeit: Den Bogen schreiben Sie ohnehin auf Deutsch.
Die Notizvorlage: so übertragen Sie eins zu eins
Die Dokumentationsbögen der Kammern ähneln sich. Nordrhein fragt Patient (Vorname, Name, Geb.-Datum), Aufnahmegrund, Allergien/Unverträglichkeiten, Genussmittel/Drogen, Sozial- und Familienanamnese ab, danach Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnose, weitere Diagnostik und Therapievorschläge. Niedersachsen ergänzt Alter, Größe und Gewicht und verlangt auf Seite 2 einen Bericht „in ganzen Sätzen“. Der Mainzer Bogen hat zusätzlich Felder für Wohnort, Hausarzt, Beruf, Familienstand, Kinder, vegetative Anamnese, Psyche, Medikamente und gynäkologische Anamnese. Die Vorlage deckt alle diese Felder ab — jede Angabe steht dort, wo der Bogen sie verlangt (mehr zum Bogen unter Dokumentation).
Teilen Sie die erste Seite des Blocks in Zonen und schreiben Sie die Kürzel links an den Rand. Ein Münchner Kandidat schrieb sein Schema nach eigenem Bericht schon vor Beginn senkrecht auf das Schmierblatt; ob das bei Ihrer Kammer geht, erfahren Sie bei der Einweisung.
| Zone | Was Sie notieren | Landet im Bogen unter |
|---|---|---|
| Pers. | Name (buchstabiert), Geburtsdatum, Alter, Größe, Gewicht, Hausarzt | Patient/in; Alter, Größe, Gewicht |
| LS (Leitsymptom) | Beginn, Ort, Ausstrahlung, Charakter, Stärke 0–10, Verlauf, Auslöser, Besserung | Aufnahmegrund; Anamnese |
| BS/Veg | Begleitsymptome; Fieber, Gewicht, Appetit, Stuhl, Wasserlassen, Schlaf, Nachtschweiß; bei Frauen letzte Periode, Verhütung, Schwangerschaft | Anamnese; vegetative und gynäkologische Anamnese |
| VE/OP | Erkrankungen, Operationen, Unfälle — jeweils mit Jahr oder Alter | Anamnese; Vorerkrankungen und Operationen |
| Med | Name, Stärke, Schema (1-0-1), Bedarfsmedikation, rezeptfreie Mittel | Anamnese; Medikamente |
| All | Auslöser → Reaktion | Allergien/Unverträglichkeiten |
| Nox | Zigaretten pro Tag und seit wann, Alkohol pro Tag oder Woche, Drogen | Genussmittel/Drogen |
| FA | Wer, welche Erkrankung, in welchem Alter, ggf. verstorben | Familienanamnese |
| SA | Beruf, Familienstand, Kinder, Wohnsituation | Sozialanamnese |
| F | Fragen der Patientin und Ihre Antwort; besprochene Untersuchungen | Teil 3; in Mainz „Mit dem/der Pat. besprochene Untersuchungen“ |
| Ich | Ihre Gedanken: Verdachtsdiagnose, DD, Diagnostik, Therapie | Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnose, weitere Diagnostik, Therapie |
Zwei Regeln machen die Vorlage zuverlässig:
- Verneintes notieren. „All. Ø“ ist eine Information; ein leeres Feld lässt sich in Teil 2 nicht von einer vergessenen Frage unterscheiden.
- Patientenwörter in Anführungszeichen. Schreiben Sie „Herzstolpern“, nicht „Arrhythmie“. Den Fachbegriff wählen Sie erst im Bogen — in Mainz sollen Patientenangaben auf den ersten Seiten ausdrücklich nicht in die Fachsprache übersetzt werden („Eine Anamnese ist kein Arztbrief“).
Beispiel: ausgefüllte Notizen
Beispiel — fiktiver Fall (die Patientin aus dem Beispieldialog unter Anamnesegespräch):
- Pers.: Brandt, Lisa („dt“) · geb. 03.05.2000 · 26 J. · 1,68 m / 60 kg
- LS: Bauchschm. seit gestern Mittag · periumb. dumpf → nachts re. UB · jetzt stechend · Erschütterung ↑ · 7/10
- BS/Veg: T 38,2 heute früh · Übelk. + · Erbr. 1× · Appetit Ø · Stuhl gestern norm., heute Ø · Mikt. o. B. · LP vor 2 Wo. · Pille · SS „sicher nicht“ · Mensa-Nudeln, Freundin gesund
- VE/OP: Ø / Ø
- Med: Pille · Ibuprofen 1× heute früh, „kaum geholfen“, Dosis ?
- All: Penicillin → Ausschlag
- Nox: Nik. Ø · Alk. „selten, auf Partys“
- FA: Eltern gesund
- SA: Studentin · WG
- F: Blinddarm? → möglich, wird geklärt · OP, Narbe? → ggf. Bauchspiegelung, kleine Narben · Essen? → nüchtern bleiben
- Ich: V. a. Appendizitis · DD EUG, Adnexe, Pyelonephritis re., Gastroenteritis, M. Crohn · Labor, Urin, SS-Test, Sono · nüchtern, Chirurgie
Abkürzungen und Zeichen für schnelle Notizen
| Kürzel | Bedeutung | Kürzel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Ø | nein, verneint, keine | + | vorhanden, ja |
| ↑ / ↓ | zunehmend / abnehmend | → | strahlt aus, führt zu |
| ? | unklar, nachfragen | „…“ | Wortlaut der Patientin |
| ! | wichtig, Warnzeichen | × | mal (2× tgl.) |
| 1-0-1 | morgens–mittags–abends | b. B. | bei Bedarf |
| J. / Mo. / Wo. | Jahre / Monate / Wochen | LJ | Lebensjahr |
| re. / li. | rechts / links | OB / UB | Oberbauch / Unterbauch |
| VE | Vorerkrankungen | Z. n. | Zustand nach |
| V. a. | Verdacht auf | DD | Differentialdiagnose |
| Med. / All. | Medikamente / Allergien | Nik. / Alk. | Nikotin / Alkohol |
| py | Packungsjahre | FA / SA | Familien- / Sozialanamnese |
| LP | letzte Periode | SS | Schwangerschaft |
| T | Temperatur | HA | Hausarzt, Hausärztin |
| o. B. | unauffällig | F | Frage der Patientin |
Die Kürzel gelten nur für Ihre Notizen. Im Bogen schreiben Sie aus und verwenden nur gängige Abkürzungen wie „V. a.“ oder „Z. n.“ — mehr unter Laborwerte und Abkürzungen.
Zeitplan für 3 × 20 Minuten
Die Kammern geben die Dauer der Teile vor, nicht die Einteilung innerhalb eines Teils. Die Pläne sind deshalb Vorschläge für das Standardformat. Das Handy darf nicht mit in den Prüfungsraum (Rheinland-Pfalz nennt auch Smartwatches ausdrücklich); ob eine Uhr im Raum steht, sagen die hier ausgewerteten Kammerinformationen nicht — im Münchner Protokoll stand eine auf dem Tisch.
Teil 1: Arzt-Patienten-Gespräch
| Minute | Ziel | Zone |
|---|---|---|
| 0–2 | Begrüßung, Vorstellung, Personalien (Name buchstabieren, Geburtsdatum, Größe, Gewicht) | Pers. |
| 2–8 | Aktuelle Beschwerden, Symptom- und Schmerzanamnese, Begleitsymptome | LS, BS |
| 8–10 | Vegetative und ggf. gynäkologische Anamnese | Veg |
| 10–14 | Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente, Allergien, Noxen | VE/OP, Med, All, Nox |
| 14–16 | Familien- und Sozialanamnese | FA, SA |
| 16–17 | Zusammenfassung mit Rückfrage | — |
| 17–20 | Verdachtsdiagnose, Untersuchungen und ihr Ablauf, letzte Patientenfragen | F, Ich |
Patientenfragen beantworten Sie sofort, wann immer sie kommen. Sind Sie bei Minute 10 noch beim Leitsymptom, gehen Sie weiter: Das Münchner Protokoll rät, nach 10–12 Minuten nicht mehr der Diagnose hinterherzulaufen, sondern die übrigen Blöcke abzufragen.
Teil 2: Dokumentation
| Minute | Ziel |
|---|---|
| 0–2 | Notizen durchsehen, Zonen den Feldern des Bogens zuordnen; nichts ergänzen, was nicht gesagt wurde |
| 2–5 | Kopffelder: Name, Geburtsdatum, Alter, Größe, Gewicht, Allergien, Genussmittel, Sozial- und Familienanamnese |
| 5–13 | Anamnese in ganzen Sätzen, Patientenangaben im Konjunktiv I |
| 13–17 | Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnosen, weitere Diagnostik, Therapie — mit Fachbegriffen |
| 17–20 | Korrekturlesen: Name und Geburtsdatum, Zahlen und Einheiten, Verbstellung, Konjunktiv |
Wer am Computer schreibt (optional in Bayern, Berlin und Westfalen-Lippe, Pflicht in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt), plant genauso — Sachsen-Anhalt weist aber darauf hin, dass kein Rechtschreibprogramm zur Verfügung steht.
Teil 3: Arzt-Arzt-Gespräch
| Minute | Ziel |
|---|---|
| 0–3 | Patientenvorstellung: Personalien, Aufnahmegrund, Anamnese, Verdachtsdiagnose, DD, geplantes Vorgehen |
| 3–15 | Rückfragen und Diskussion: Details aus dem Gespräch, Begründung der DD, Diagnostik, Aufklärung |
| 15–20 | Fachbegriffe-Aufgabe, sofern Ihre Kammer eine stellt |
Wie lange die Fachbegriffe-Aufgabe dauert, veröffentlicht keine Kammer; rechnen Sie mit den letzten Minuten. Der Umfang: Berlin 5 Begriffe, 2 Abkürzungen und 3 Laborwerte; Hamburg 15 Begriffe; Niedersachsen 12 in beide Richtungen; Westfalen-Lippe und Thüringen eine kurze Liste. Ihre Notizen liegen dabei vor Ihnen — nutzen Sie sie, statt Details aus dem Gedächtnis zu raten (mehr unter Arzt-Arzt-Gespräch).
Abweichende Formate
- Hessen: vorweg ein 20-minütiger Vokabeltest ohne Hilfsmittel, dann Arzt-Patienten-Gespräch (20 Minuten), schriftliche Ausarbeitung (bis zu 20 Minuten, ohne Hilfsmittel) und Arzt-(Ober-)Arzt-Gespräch (20 Minuten); insgesamt rund zwei Stunden.
- Brandenburg: 20 / 30 / 20 Minuten — der Arztbrief entsteht in 30 Minuten auf einem Laptop der Kammer. Die zusätzlichen 10 Minuten gehören dem Brieftext und dem Korrekturlesen.
- Mecklenburg-Vorpommern: 45 Minuten Vorbereitung (15 Minuten Einweisung, 30 Minuten Lesen eines standardisierten Aufklärungsbogens), dann Arzt-Patienten-Gespräch (20), Arzt-Arzt-Gespräch (20) und zuletzt der Entlassungsbrief am Computer (25). Ihre Notizen müssen also bis nach dem Arzt-Arzt-Gespräch lesbar bleiben.
- Sachsen-Anhalt: 10 Minuten Informationen vorab, Anamnese 15 Minuten plus höchstens 5 Minuten zum Erklären, ein 40-minütiger Dokumententeil, 20 Minuten Epikrise am Computer, danach das Arzt-Arzt-Gespräch (Dauer nicht veröffentlicht). Kürzen Sie den Plan für Teil 1 entsprechend.
- Rheinland-Pfalz: fünf Abschnitte in wechselnder Reihenfolge und zum Schluss ein Fachgespräch, mit Wartezeiten 3 bis 3,5 Stunden. Für Anamnese und Abfassung gibt es einen Vordruck, den Sie auf der Website der Bezirksärztekammer herunterladen können; Seite 1 schreiben Sie in ganzen Sätzen, Seite 2 und 3 ausdrücklich in Stichworten. Die Kammer rät, sich die am Ende aufgetragenen Untersuchungen gesondert zu notieren und die beiden Telefonanrufe im Hör- und Leseteil zuerst auf einem separaten Blatt mitzuschreiben.
Im Simulator von fsppruefung.de gibt es während Teil 1 einen Notizblock, und Teil 2 schreiben Sie auf einem Dokumentationsbogen im Kammerstil — so üben Sie genau diese Übertragung unter Zeitdruck.
Quellen
- Ärztekammer Westfalen-Lippe: Fachsprachenprüfung – Informationsfolder (PDF)
- Ärztekammer Niedersachsen: Informationsblatt FSP (PDF)
- Ärztekammer Niedersachsen: Berichtsbogen – Fachsprachprüfung, Muster (PDF)
- Bayerische Landesärztekammer: Aufgabenstellung Fachsprachenprüfung (PDF)
- Ärztekammer Berlin: Fachsprachprüfung – Aufgabenstellung (PDF)
- Landesärztekammer Baden-Württemberg: Fachsprachenprüfung
- Sächsische Landesärztekammer: Fachsprachenprüfung
- Landesärztekammer Thüringen: Fachsprachenprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte in Thüringen (Flyer, PDF)
- Ärztekammer Nordrhein: Fachsprachprüfung
- Ärztekammer Nordrhein: Muster-Anamnesebogen – Fachsprachprüfung (PDF)
- Ärztekammer Hamburg: Fachsprachenprüfung
- Landesärztekammer Hessen: Hinweise zur Fachsprachprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte in Hessen (PDF)
- Landesärztekammer Brandenburg: Fachsprachtests für ausländische Ärzte
- Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern: Fachsprachenprüfung
- Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Sprachtest
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Informationen zur Fachsprachenprüfung (FSP) für ausländische Ärzte in Rheinland-Pfalz (PDF)
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Ablaufhinweise zur Fachsprachenprüfung (FSP) 2024 in Mainz (PDF)
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Anamnesebogen – Fachsprachenprüfung (PDF)
- Veröffentlichte Prüfungsprotokolle von Kandidatinnen und Kandidaten (Erfahrungsberichte, keine Kammerangaben; im Text als solche gekennzeichnet)
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