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Laborwerte, Abkürzungen und Zahlen in der FSP richtig sagen

Kurz gesagt

Zahlen, Einheiten und Abkürzungen kommen in jeder Fachsprachprüfung vor: Alter, Daten und Dosierungen im Patientengespräch, Kürzel in der Dokumentation, Werte im Arzt-Arzt-Gespräch. Einige Kammern prüfen sie gezielt: Berlin lässt am Ende drei Laborwerte mit Zahl und Einheit vorlesen und zwei Abkürzungen vervollständigen, in Sachsen-Anhalt ruft das Labor an, in Rheinland-Pfalz notieren Sie zwei Telefonanrufe. Es geht um Sprache: Dezimalkomma statt Punkt, die Einheit immer mitsprechen, Zahlen am Telefon wiederholen. Welche Werte „normal“ sind, hängt vom Labor ab — dieser Artikel behandelt nur die sprachliche Seite.

Wo Laborwerte, Abkürzungen und Zahlen geprüft werden

Kammer Wo Was
Berlin Ende Teil 3 Sie vervollständigen „zwei medizinische Abkürzungen“ und lesen „drei Laborwerte mit den entsprechenden Zahlen und Maßeinheiten korrekt vor“ — ein eigenes Kriterium im Bewertungsbogen
Sachsen-Anhalt Teil 2 „Dokumente“ und Arzt-Arzt-Gespräch Das Labor ruft an und nennt Laborwerte eines anderen Patienten, die Sie später mit Name und Geburtsdatum korrekt wiedergeben; im Arzt-Arzt-Gespräch fassen Sie den Anruf zusammen
Rheinland-Pfalz Abschnitt 5 zwei Telefonanrufe, deren Inhalt Sie notieren, dazu ein Befund- oder Arztbrieftext mit Fragen
Nordrhein Teil 3 Die Prüfer können „weitere Unterlagen zu dem Patienten vorlegen“, die Sie bewerten sollen; welche, sagt die Kammer nicht
Bayern Teil 3 laut Bayerischem Ärzteblatt notwendig: „fachliche Abkürzungen sicher zu verwenden“
Sachsen Teil 1 Bewertungshinweis: „Achten Sie auf richtiges Zahlenverständnis“

Dazu kommen in allen Kammern die Zahlen aus dem Patientengespräch: Geburtsdatum, Alter, Größe und Gewicht, Medikamente mit Dosis, Uhrzeiten. Die Mainzer Ablaufhinweise sagen es deutlich: „Achten Sie darauf, dass Sie Zahlen und Namen korrekt erfassen, lassen Sie sich Worte, die Sie nicht kennen, buchstabieren.“ Wer in Teil 1 eine Zahl falsch notiert, schreibt sie in Teil 2 falsch auf und trägt sie in Teil 3 falsch vor.

Zahlen richtig aussprechen

Dezimalkomma und Tausenderpunkt

Im Deutschen trennt das Komma die Dezimalstellen, der Punkt die Tausender — umgekehrt wie im Englischen. Sagen Sie nie „sieben Punkt fünf“.

geschrieben gesprochen
7,5 sieben Komma fünf
0,8 null Komma acht
1,4 eins Komma vier
0,02 null Komma null zwei
13.400 dreizehntausendvierhundert
245.000 zweihundertfünfundvierzigtausend

Einer vor Zehnern

„Achtundfünfzig“ nennt zuerst die Acht, dann die Fünfzig. Wer mitschreibt, wartet deshalb bis zum Ende der Zahl, bevor er die Ziffern notiert. Zahlendreher (58 statt 85) gehören zu den häufigsten Fehlern beim Mitschreiben.

Hörfehler vermeiden

Am Telefon und bei schnell sprechenden Patienten klingen manche Zahlen ähnlich: fünfzehn und fünfzig, sechzehn und sechzig, siebzehn und siebzig, dreizehn und dreißig. Fragen Sie mit Ziffern nach: „Fünfzehn — also eins, fünf?“ Statt „zwei“ sagt man oft „zwo“; der Duden nennt als Grund, „eine akustische Verwechslung mit ‚drei‘ zu vermeiden“.

Datum, Jahr und Uhrzeit

geschrieben gesprochen
geb. 14.03.1951 geboren am vierzehnten Dritten (oder: vierzehnten März) neunzehnhunderteinundfünfzig
1998 neunzehnhundertachtundneunzig
2009 zweitausendneun
7:30 Uhr sieben Uhr dreißig, umgangssprachlich „halb acht“
7:15 Uhr Viertel nach sieben
7:45 Uhr Viertel vor acht, regional „dreiviertel acht“

Achtung: „halb acht“ bedeutet 7:30 Uhr, nicht 8:30 Uhr. Wenn eine Patientin „gegen halb acht“ sagt, notieren Sie 7:30 Uhr.

Dosierungen und weitere Angaben

Die folgenden Beispiele zeigen nur, wie man die Schreibweise ausspricht — sie sind keine Dosierungsempfehlungen.

geschrieben gesprochen und gemeint
1-0-1 „eins – null – eins“: morgens und abends je eine Tablette
0-0-1 „null – null – eins“: abends eine Tablette
b. B. „bei Bedarf“
38 py „achtunddreißig Packungsjahre“
7/10 „sieben von zehn“ (Schmerzskala)
1,78 m, 82 kg „ein Meter achtundsiebzig, zweiundachtzig Kilogramm“
RR 160/95 mmHg „Blutdruck hundertsechzig zu fünfundneunzig“

Einheiten aussprechen

Sprechen Sie die Einheit immer vollständig mit — eine Zahl ohne Einheit ist in Berlin kein korrekt vorgelesener Laborwert. Lesen Sie die Einheit vom Befund ab, denn Labore verwenden unterschiedliche Einheiten: Dasselbe Kreatinin kann als 1,4 mg/dl oder als etwa 124 µmol/l angegeben sein, dieselbe Leukozytenzahl als 13.400/µl oder als 13,4 G/l.

Einheit gesprochen Beispiel
mg/dl Milligramm pro Deziliter Kreatinin 1,4 mg/dl
g/dl Gramm pro Deziliter Hämoglobin 9,8 g/dl
mmol/l Millimol pro Liter Kalium 4,2 mmol/l
µmol/l Mikromol pro Liter Kreatinin 124 µmol/l
mg/l Milligramm pro Liter CRP 48 mg/l
µg/l Mikrogramm pro Liter Ferritin 12 µg/l
ng/l Nanogramm pro Liter Troponin 35 ng/l
G/l Giga pro Liter Leukozyten 13,4 G/l
/µl pro Mikroliter Leukozyten 13.400/µl
U/l Units pro Liter (auch: Einheiten pro Liter) GPT 85 U/l
mU/l Milli-Units pro Liter TSH 0,02 mU/l
% Prozent Sauerstoffsättigung 91 %
mmHg Millimeter Quecksilbersäule Blutdruck 160/95 mmHg
/min pro Minute Herzfrequenz 112/min
°C Grad Celsius Temperatur 38,2 °C
s Sekunden aPTT 32 s

Häufige Laborwerte: gesprochene Form und was sie messen

Referenzbereiche hängen vom Labor und von der Messmethode ab, oft auch von Alter und Geschlecht, und stehen auf jedem Befund. Die Tabelle nennt deshalb bewusst keine Normalwerte. Sie ist Sprachmaterial, keine Anleitung zur Interpretation.

Parameter (gesprochen) typische Einheit was der Wert misst
Hämoglobin (Hb, „ha-be“) g/dl, manche Labore mmol/l roter Blutfarbstoff, transportiert Sauerstoff
Hämatokrit (Hkt) % oder l/l Anteil der Blutzellen am Blutvolumen
Leukozyten („Leukos“) /µl oder G/l weiße Blutkörperchen
Thrombozyten („Thrombos“) /µl oder G/l Blutplättchen
C-reaktives Protein (CRP, „ze-er-pe“) mg/l, manche Labore mg/dl Entzündungswert
Natrium, Kalium mmol/l Elektrolyte („Blutsalze“)
Kreatinin („Krea“) mg/dl oder µmol/l Nierenwert
geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ml/min/1,73 m² („Milliliter pro Minute pro 1,73 Quadratmeter“) geschätzte Filterleistung der Nieren
Harnstoff mg/dl Nierenwert
Glukose, Blutzucker (BZ, „be-zett“) mg/dl oder mmol/l Zucker im Blut
HbA1c („ha-be-a-eins-ze“) % oder mmol/mol „Langzeitzucker“ der letzten zwei bis drei Monate
GOT (AST), GPT (ALT) U/l Leberwerte (Enzyme)
Gamma-GT (γ-GT) U/l Leber- und Gallenwert
Bilirubin mg/dl Gallenfarbstoff
Lipase U/l Enzym der Bauchspeicheldrüse
Troponin ng/l Eiweiß aus dem Herzmuskel
Kreatinkinase (CK, „ze-ka“) U/l Muskelenzym
NT-proBNP pg/ml oder ng/l Herzwert
D-Dimere je nach Labor, z. B. mg/l Abbauprodukte von Blutgerinnseln
INR („i-en-er“), Quick INR ohne Einheit, Quick in % Gerinnungswerte
aPTT („a-pe-te-te“) s Gerinnungswert
TSH („te-es-ha“) mU/l Steuerhormon der Schilddrüse
Ferritin µg/l Eisenspeicher
Harnsäure mg/dl Abbauprodukt im Stoffwechsel
Laktat mmol/l Milchsäure
LDL- und HDL-Cholesterin mg/dl oder mmol/l Blutfette

Buchstabenkürzel sprechen Sie mit den deutschen Buchstabennamen: a, be, ze, de, e, ef, ge, ha, i, jot, ka, el, em, en, o, pe, ku, er, es, te, u, fau, we, ix, ypsilon, zett. „CRP“ heißt also „ze-er-pe“, nicht englisch „si-ar-pi“.

Abkürzungen in der klinischen Dokumentation

Manche Abkürzungen spricht man aus (V. a. → „Verdacht auf“), andere buchstabiert man (EKG → „e-ka-ge“), einige werden zu Kurzwörtern („Sono“). Abkürzungen mit Punkt werden immer ausgesprochen. In der schriftlichen Dokumentation gilt: nur gängige Abkürzungen, sparsam eingesetzt.

Abkürzung ausgeschrieben bzw. gesprochen Beispiel
V. a. Verdacht auf V. a. Appendizitis
Z. n. Zustand nach Z. n. Appendektomie 2009
DD Differentialdiagnose(n) DD Gastroenteritis
o. B. ohne Befund Sonographie o. B.
b. B. bei Bedarf Ibuprofen b. B.
ggf. gegebenenfalls ggf. Koronarangiographie
KU körperliche Untersuchung KU folgt
AZ / EZ Allgemeinzustand / Ernährungszustand reduzierter AZ
RR Blutdruck (nach Riva-Rocci), gesprochen „er-er“ oder „Blutdruck“ RR 160/95 mmHg
HF / AF Herzfrequenz / Atemfrequenz HF 112/min
SpO₂ Sauerstoffsättigung SpO₂ 91 %
EKG Elektrokardiogramm, „e-ka-ge“ 12-Kanal-EKG
Rö-Thorax Röntgen-Thorax Rö-Thorax in zwei Ebenen
CT / MRT Computertomographie / Magnetresonanztomographie, „ze-te“ / „em-er-te“ CT-Abdomen
Sono Sonographie Sono-Abdomen
ÖGD Ösophagogastroduodenoskopie, „ö-ge-de“ (Magenspiegelung) ÖGD geplant
BGA Blutgasanalyse arterielle BGA
BB Blutbild (kleines oder großes) kl. BB
BZ Blutzucker, „be-zett“ BZ 210 mg/dl
CRP C-reaktives Protein, „ze-er-pe“ CRP 48 mg/l
Hb Hämoglobin, „ha-be“ Hb 9,8 g/dl
KHK koronare Herzkrankheit bekannte KHK
ACS akutes Koronarsyndrom V. a. ACS
aHT arterielle Hypertonie aHT seit 2015
DM Diabetes mellitus DM Typ 2
COPD chronisch obstruktive Lungenerkrankung, „ze-o-pe-de“ COPD-Exazerbation
TVT / LAE tiefe Venenthrombose / Lungenarterienembolie Z. n. TVT
HWI Harnwegsinfekt rezidivierende HWI
pAVK periphere arterielle Verschlusskrankheit pAVK bds.
p. o. / i. v. / s. c. per os / intravenös / subkutan Gabe i. v.
NSAR nichtsteroidale Antirheumatika NSAR-Einnahme
ASS Acetylsalicylsäure, „a-es-es“ ASS-Allergie
Pat. Patient, Patientin 58-jähriger Pat.
py pack years, „Packungsjahre“ 38 py
li. / re. / bds. links / rechts / beidseits Ödeme bds.
NW / KI Nebenwirkung / Kontraindikation NW: Übelkeit
ED Erstdiagnose ED 2015
Tbl. Tablette 1 Tbl.

Beispiel — fiktiver Laboranruf

So könnte ein Anruf wie in Sachsen-Anhalt ablaufen: Das Labor nennt Werte eines anderen Patienten, die Sie notieren und später korrekt wiedergeben. Name, Werte und Situation sind frei erfunden.

Labor: Guten Tag, hier ist Frau Krüger aus dem Zentrallabor. Ich habe Laborwerte für einen Patienten Ihrer Station. Haben Sie etwas zum Schreiben?

Ärztin: Guten Tag, Frau Krüger, hier ist Dr. Haddad, Station 4. Ja, ich schreibe mit. Um welchen Patienten geht es?

Labor: Herr Jürgen Pawlowski, geboren am 14.03.1951.

Ärztin: Können Sie mir den Nachnamen bitte buchstabieren?

Labor: P wie Potsdam, A wie Aachen, W wie Wuppertal, L wie Leipzig, O wie Offenbach, W wie Wuppertal, S wie Salzwedel, K wie Köln, I wie Ingelheim.

Ärztin: Danke. Also Herr Jürgen Pawlowski, geboren am vierzehnten Dritten neunzehnhunderteinundfünfzig. Ich höre.

Labor: Kalium sechs Komma eins Millimol pro Liter, Natrium hundertzweiunddreißig Millimol pro Liter, Kreatinin zwei Komma drei Milligramm pro Deziliter, Hämoglobin neun Komma acht Gramm pro Deziliter, Leukozyten dreizehntausendvierhundert pro Mikroliter, CRP achtundvierzig Milligramm pro Liter.

Ärztin: Entschuldigung, war das Natrium hundertzweiunddreißig — also eins, drei, zwo?

Labor: Genau, eins, drei, zwo.

Ärztin: Ich wiederhole: Kalium sechs Komma eins Millimol pro Liter, Natrium hundertzweiunddreißig Millimol pro Liter, Kreatinin zwei Komma drei Milligramm pro Deziliter, Hämoglobin neun Komma acht Gramm pro Deziliter, Leukozyten dreizehntausendvierhundert pro Mikroliter, CRP achtundvierzig Milligramm pro Liter. Ist das so richtig?

Labor: Ja, alles richtig. Der schriftliche Befund ist gleich im System.

Ärztin: Vielen Dank, Frau Krüger. Ich gebe die Werte sofort an die zuständige Oberärztin weiter.

Die Notiz dazu, mit Uhrzeit und Anrufer:

Pawlowski, Jürgen, geb. 14.03.1951 — K 6,1 mmol/l; Na 132 mmol/l; Krea 2,3 mg/dl; Hb 9,8 g/dl; Leukos 13.400/µl; CRP 48 mg/l — Anruf Fr. Krüger, Zentrallabor, 10:40 Uhr

Im Arzt-Arzt-Gespräch berichten Sie dann in ganzen Sätzen: „Außerdem hat das Zentrallabor angerufen. Bei Herrn Jürgen Pawlowski, geboren am 14. März 1951, beträgt das Kalium sechs Komma eins Millimol pro Liter …“ — erst Name und Geburtsdatum, dann die Werte mit Einheit. Die Buchstabiertafel mit Städtenamen (A wie Aachen, B wie Berlin …) steht seit 2022 in der Norm DIN 5009; die ältere Tafel mit Vornamen (A wie Anton, B wie Berta …) ist ebenfalls noch verbreitet und wird verstanden.

Drei Laborwerte vorlesen wie in Berlin

Auf einer Karte steht zum Beispiel: Kalium 3,2 mmol/l — Hb 11,6 g/dl — Thrombozyten 98.000/µl. Vorgelesen klingt das so:

Nennen Sie den Parameter ausgeschrieben („Hämoglobin“ statt „ha-be“), sprechen Sie langsam und machen Sie zwischen Zahl und Einheit keine Pause, die wie ein Satzende klingt. Wie das Vorlesen in das Arzt-Arzt-Gespräch eingebettet ist, steht unter Arzt-Arzt-Gespräch; die Übersetzungsaufgabe, die in Berlin dazugehört, unter Fachbegriffe.

Häufige Fehler

Quellen

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