Fachsprachprüfung in Sachsen-Anhalt: Ablauf in vier Teilen, Kosten
Kurz gesagt
Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt nennt ihre Fachsprachprüfung „Deutsch-Sprachtest“; sie findet im SkillsLab der Universität Halle statt und kostet 500 €. Anders als fast überall besteht sie aus vier Teilen: einem Patientengespräch mit einem Schauspieler, einem 40-minütigen Dokumententeil mit Patientenakte, Kollegen-Video, Laboranruf und Vokabelliste, einer Epikrise am Computer und einem Arzt-Arzt-Gespräch. Damit prüft Sachsen-Anhalt auch Lese- und Hörverstehen — und arbeitet mit Befundberichten und Laborwerten, die es in der Prüfung der meisten anderen Kammern gar nicht gibt.
Auf einen Blick
| Merkmal | Sachsen-Anhalt |
|---|---|
| Prüfende Stelle | Ärztekammer Sachsen-Anhalt; Prüfungsort: Dorothea Erxleben Lernzentrum (SkillsLab) der Universität Halle |
| Anmeldung über | Arbeitgeberbestätigung, Antrag beim Landesprüfungsamt für Gesundheitsberufe, dann Anmeldeformular per E-Mail an die Kammer |
| Gebühr pro Versuch | 500 € (Gebührenbescheid nach der Anmeldung) |
| Dauer und Teile | 10 Min. Vorinformation; Arzt-Patient 15 + 5 Min., Dokumente 40 Min., Epikrise 20 Min., Arzt-Arzt (Dauer nicht veröffentlicht) |
| Schriftlicher Teil | Epikrise am Computer, ohne Rechtschreibprüfung, mit medizinischem Wörterbuch |
| Fachbegriffe-Aufgabe | Vokabelliste: Fachtermini patientenverständlich übersetzen, Ortsangaben auf einem Körperschema markieren |
| Erlaubte Hilfsmittel | Anamnese-Vordruck, Papier und Stift (Notizen werden nicht bewertet); medizinische Nachschlagewerke stellt die Kammer |
| Ergebnis | Bescheinigung der Kammer bei Bestehen |
| Wiederholung | möglich; Anmeldung mit demselben Formular als „Wiederholungsprüfung“ |
Ablauf der Prüfung in Sachsen-Anhalt
Das verbreitete Drei-Teile-Schema beschreibt der Ablauf der FSP. Sachsen-Anhalt fügt ihm einen eigenen Dokumententeil hinzu und verschiebt das Schreiben dahinter.
1. Arzt-Patienten-Gespräch (15 + 5 Minuten). Den Patienten spielt ein Schauspieler, der Ihnen vorgegebene Informationen über seinen Gesundheitszustand vermittelt. Für die Anamnese erhalten Sie einen vorgedruckten Anamnesebogen; er dient nur Ihren Notizen und wird nicht bewertet. Nach 15 Minuten Anamnese erläutern Sie dem Patienten in höchstens 5 Minuten die geplante Diagnostik und/oder Therapie und beantworten seine Rückfragen — so verständlich wie möglich, denn er ist mit Fachausdrücken nicht vertraut. Genauere Informationen zu diesen Maßnahmen erhalten Sie 10 Minuten vor Prüfungsbeginn, passend zum jeweiligen Fall.
2. Dokumente (40 Minuten). Dieser Teil bündelt mehrere Aufgaben:
- einen medizinischen Anforderungsbogen vollständig ausfüllen,
- eine Akte auswerten, die einen Arztbrief sowie CT-, Röntgen-, Ultraschall-, Endoskopie- und Laborbefunde enthalten kann,
- einen Film ansehen, in dem eine Kollegin oder ein Kollege Angaben zum Patienten macht,
- einen Anruf aus dem Labor entgegennehmen: Laborwerte eines anderen Patienten, die Sie später mit Namen und Geburtsdatum korrekt wiedergeben müssen,
- zum Schluss eine Vokabelliste mit Fachtermini für einen Patienten verständlich übersetzen und Ortsangaben wie „unterhalb des rechten Kniegelenks“ auf einem Schema markieren.
3. Epikrise (20 Minuten). Am Computer fassen Sie die aktuellen Beschwerden, die durchgeführten Untersuchungen und die Befundergebnisse zusammen. Verlangt sind ganze Sätze und Nebensätze sowie angemessene Mittel der Textverknüpfung; bewertet werden Grammatik, Orthographie und Ausdruck. Ein Rechtschreibprogramm gibt es nicht, das bereitgestellte medizinische Wörterbuch dürfen Sie nutzen.
4. Arzt-Arzt-Gespräch. Sie stellen den Patienten den beiden ärztlichen Prüfern vor und dürfen dabei Fachtermini verwenden. Zusammenfassen sollen Sie die aktuellen Befunde und den Arztbrief aus der Akte, die Informationen aus dem Film und den Anruf aus dem Labor. Danach stellen die Prüfer Fragen. Eine Dauer nennt die Kammer für diesen Teil nicht.
Der wichtigste Unterschied zu anderen Kammern: Im üblichen Format gibt es keine Befunde, weil nicht untersucht wird — dokumentiert wird nur, was der Patient erzählt (siehe Dokumentation in der FSP). In Sachsen-Anhalt arbeiten Sie dagegen mit Befundberichten und Laborwerten, und Ihre Epikrise muss sie enthalten. Das ist näher am Klinikalltag, verlangt aber schnelles Lesen und sicheres Hören unter Zeitdruck.
Anmeldung und Termin
- Arbeitgeberbestätigung: Ein künftiger Arbeitgeber bestätigt, dass Sie bei ihm ärztlich tätig werden sollen; der Arbeitsort muss in Sachsen-Anhalt liegen.
- Antrag bei der Approbationsbehörde: Diese Bestätigung und den Antrag auf Approbation oder Berufserlaubnis reichen Sie beim Landesprüfungsamt für Gesundheitsberufe Sachsen-Anhalt ein.
- Anmeldung bei der Kammer: Das Formular „Anmeldung zum Deutsch-Sprachtest“ füllen Sie am PC aus und senden es per E-Mail an [email protected], zusammen mit einer Kopie der Eingangsbestätigung der Approbationsbehörde, dem Sprachzertifikat B2 oder höher (beglaubigte Kopie, nicht älter als fünf Jahre) und einer Kopie des Reisepasses.
- Gebühr und Einladung: Sie erhalten eine Eingangsbestätigung und einen Gebührenbescheid über 500 €; nach Zahlungseingang folgt die Einladung mit dem Prüfungstermin.
Im Formular geben Sie an, ob Sie „ab sofort“ teilnehmen können oder einen Termin „12 Wochen ab Antragstellung zur Visumbeantragung“ benötigen. Die Bearbeitung kann bis zu vier Wochen dauern; telefonische Nachfragen zu Terminen sind laut Kammer nicht notwendig. Mit 500 € liegt Sachsen-Anhalt im Mittelfeld der Kammern — den Vergleich finden Sie unter Kosten der FSP.
Bewertung und Ergebnis
Einen Bewertungsbogen oder eine Bestehensgrenze veröffentlicht die Kammer nicht. Konkret benannt sind nur einzelne Kriterien: die Notizen zählen nicht, in der Epikrise zählen Grammatik, Orthographie und Ausdruck, und im Patientengespräch die Verständlichkeit für einen Laien. Wer besteht, erhält eine Bescheinigung der Ärztekammer.
Auf Nachfrage der Presse hat die Kammer Zahlen genannt: Von 2019 bis 2022 wurden 1.110 Prüfungen abgelegt, „gut zwei Drittel“ davon bestanden. 2024 waren es nach Kammerangaben 289 bestandene und 141 nicht bestandene Prüfungen — rund jede dritte Prüfung scheiterte. Die Gründe sind laut Kammer nicht einheitlich: Manche Prüflinge sprechen gut, scheitern aber am Lesen oder Schreiben, bei anderen ist es umgekehrt.
Wiederholung
Wiederholungsprüfungen sind möglich; Sie melden sich mit demselben Formular an und kreuzen „Wiederholungsprüfung“ an. Eine Mindestwartezeit oder eine abweichende Gebühr für die Wiederholung veröffentlicht die Kammer nicht. Wie Sie einen zweiten Versuch vorbereiten, beschreibt FSP nicht bestanden.
Tipps für die Prüfung in Sachsen-Anhalt
- Die 10 Minuten Vorinformation für die Erklärung nutzen. Sie wissen vorab, welche Diagnostik oder Therapie Sie erklären sollen. Formulieren Sie für jede Maßnahme zwei, drei Sätze ohne Fachwort — die 5 Minuten Erklärzeit reichen nicht zum Nachdenken.
- Die 15 Minuten Anamnese als harte Grenze behandeln. Danach beginnt die Erklärung, nicht eine Verlängerung. Fragen Sie das Wichtigste zuerst.
- Notizen nach Quelle ordnen. Im Arzt-Arzt-Gespräch sollen Sie Akte, Film und Laboranruf getrennt zusammenfassen. Wer im Dokumententeil drei Spalten anlegt, findet die Angaben später schneller.
- Ortsangaben üben. „Unterhalb des rechten Kniegelenks“, „seitlich am linken Oberarm“: Lage- und Richtungsangaben gehören hier zum Prüfungsstoff.
- Die Epikrise ohne Autokorrektur trainieren. Schreiben Sie Übungsbriefe in einem Programm ohne Rechtschreibprüfung und achten Sie auf Verknüpfungen wie „daraufhin“, „im Verlauf“, „aufgrund dessen“. Wie ein Arztbrief aufgebaut ist, zeigt Arztbrief schreiben.
Den Laboranruf wie eine Übergabe am Telefon führen. Lassen Sie sich den Namen buchstabieren, notieren Sie Geburtsdatum, Werte und Einheiten und lesen Sie alles zurück. Abkürzungen und Einheiten trainiert Laborwerte und Abkürzungen.
Beispiel — fiktiver Anruf (Einheiten und Referenzbereiche hängen vom Labor ab):
Labor: Zentrallabor, guten Tag. Ich habe Werte für Herrn Okonkwo, geboren am 3. Mai 1961: CRP 87 Milligramm pro Liter.
Ärztin: Können Sie mir den Namen bitte buchstabieren?
Labor: O-K-O-N-K-W-O.
Ärztin: Ich wiederhole: Herr Okonkwo, geboren am 3. Mai 1961, CRP 87 Milligramm pro Liter. Ist das richtig?
Quellen
- Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Sprachtest
- Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Anmeldung zum Deutsch-Sprachtest (PDF)
- Deutsches Ärzteblatt: Mehr Sprachprüfungen ausländischer Ärzte, ein Drittel fällt durch
- Deutsches Ärzteblatt: Mehr Sprachprüfungen für ausländische Mediziner in Sachsen-Anhalt
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