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Fachsprachprüfung Nordrhein: Ablauf, 36-Punkte-Regel, Kosten

Kurz gesagt

Die Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) prüft in Düsseldorf nach dem Muster einer OSCE: drei Stationen à 20 Minuten, in denen ein Schauspieler den Patienten spielt, Sie einen vorgefertigten Anamnesebogen ausfüllen und den Fall bei einer „Visite“ zwei Ärztinnen oder Ärzten vorstellen. Drei Prüfer vergeben je höchstens 20 Punkte; bestanden haben Sie mit mindestens 36 von 60 Punkten. Die Prüfung kostet 430 € pro Versuch. Angemeldet werden Sie von der Bezirksregierung Münster, die in ganz Nordrhein-Westfalen für die Approbation von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischem Abschluss zuständig ist.

Auf einen Blick

Punkt Nordrhein (ÄKNO)
Prüfende Stelle Ärztekammer Nordrhein, Tersteegenstraße 9, Düsseldorf
Anmeldung über Bezirksregierung Münster — keine persönliche Anmeldung
Gebühr pro Versuch 430 € per Überweisung, bei jeder Wiederholung erneut
Dauer und Teile 60 Minuten, drei Stationen à 20 Minuten
Patientenrolle Schauspielerin oder Schauspieler
Teil 2 (Dokumentation) vorgefertigter Anamnesebogen der Kammer; ein Muster steht online
Fachbegriffe-Aufgabe keine eigene Aufgabe veröffentlicht; die Prüfer können in Station 3 weitere Unterlagen zum Patienten vorlegen
Erlaubte Hilfsmittel leerer Notizblock und Stift von der Kammer, sonst nichts; Taschen und Jacken bleiben draußen
Ergebnis wird „zeitnah“ mitgeteilt und an die Bezirksregierung gemeldet
Bestehensregel 60 % der Höchstpunktzahl, also mindestens 36 von 60 Punkten
Wiederholung mehrfach möglich, je 430 €; die Kammer empfiehlt einige Monate Abstand

Ablauf der Prüfung in Nordrhein

Die ÄKNO hat die Fachsprachprüfung am 1. Januar 2014 übernommen und sie als OSCE angelegt — als Parcours aus drei standardisierten Stationen. Sie bekommen zu Beginn einen leeren Notizblock und einen Stift; die Notizen fließen nicht in die Bewertung ein. Wer zu spät kommt, hat nicht bestanden. Das Grundformat aller Kammern erklärt der Artikel zum Ablauf der FSP; in Nordrhein unterscheiden sich vor allem die Patientenrolle, der Bogen und die dritte Station.

Station 1: Gespräch mit einem Schauspielpatienten

Anders als in den meisten Kammern spielt hier kein Prüfer, sondern ein Schauspieler die Patientin oder den Patienten. So soll jede Kandidatin und jeder Kandidat einen gleich schweren Fall bekommen. Nach der Anamnese erklären Sie Ihre Verdachtsdiagnose, schlagen Diagnostik und Therapie vor und reagieren auf Rückfragen — so, dass der Patient Sie sicher versteht, denn mit Fachausdrücken ist er kaum vertraut. Diese Station ist laut ÄKNO-Prüfer Dr. Jaswant Singh meist schwieriger als die beiden anderen.

Station 2: der Anamnesebogen

Sie übertragen die Anamnese in ein Formular, wie es in Krankenhäusern des Kammergebiets „so oder ähnlich“ genutzt wird. Der Muster-Anamnesebogen der ÄKNO hat drei Seiten:

  1. Patient/Patientin (Vorname, Name, Geburtsdatum), Datum und ein großes Feld „Aufnahmegrund/Diagnose (stichwortartig)“
  2. Allergien/Unverträglichkeiten, Genussmittel/Drogen, Sozialanamnese, Familienanamnese, dann der Block „Verdachtsdiagnose/Differentialdiagnose/weitere Diagnostik/Therapievorschläge“ mit dem Hinweis „Bitte benutzen Sie Fachwörter, wo möglich“
  3. Differentialdiagnose, weitere Diagnostik, Therapievorschläge

Auffällig: Das große Feld auf Seite 1 verlangt ausdrücklich Stichworte, und eigene Felder für Vorerkrankungen oder Medikamente hat der Musterbogen nicht. Überlegen Sie vorher, wo Sie diese Angaben unterbringen.

Beispiel — fiktiver Fall. Aufnahmegrund: seit heute Nacht ca. 3 Uhr Schmerzen, Schwellung, Rötung und Überwärmung am rechten Großzehengrundgelenk, Schmerzstärke 9/10; am Vorabend Grillfest mit Fleisch, Innereien und Bier. Verdachtsdiagnose: V. a. akuten Gichtanfall (Podagra) rechts.

Wie Sie solche Einträge sprachlich sauber formulieren, zeigt der Artikel Dokumentation in der FSP.

Station 3: Visite mit zwei Ärzten

Die dritte Station stellt eine Visite nach: Sie treffen zwei Ärztinnen oder Ärzte, „zum Beispiel eine Chefärztin und einen Oberarzt“, stellen den Patienten strukturiert vor und erläutern Ihre Einschätzung und Ihre Ideen zur weiteren Behandlung. Danach folgen Rückfragen. Eine Besonderheit: Die Prüfer können Ihnen weitere Unterlagen zum Patienten vorlegen, die Sie bewerten sollen. Mehr zu diesem Teil im Artikel zum Arzt-Arzt-Gespräch.

Anmeldung und Termin

Ihren Antrag auf Approbation stellen Sie bei der Bezirksregierung Münster (Zentrale Anerkennungsstelle, ZAG-aH). Sie ist landesweit für Ärztinnen und Ärzte mit Abschluss aus der EU wie aus Drittstaaten zuständig und meldet Sie zur Fachsprachprüfung an, wenn Sie den Antrag gestellt haben. Voraussetzung für die Anmeldung ist ein B2-Zertifikat eines anerkannten Sprachanbieters. Die Behörde schickt Ihre Daten an die ÄKNO, die sich in der Regel per E-Mail bei Ihnen meldet. Erst nach Eingang der 430 € wird Ihnen ein Termin zugeordnet — wer früher überweist, wird früher eingeladen. Eine Wartezeit veröffentlicht die Kammer nicht. Gebühren anderer Kammern: FSP-Kosten.

Bewertung und Ergebnis

Die drei Prüfer bewerten mit strukturierten Bögen, jeder Bogen hat höchstens 20 Punkte. Zum Bestehen brauchen Sie 60 % der Höchstpunktzahl, also mindestens 36 Punkte. Eine Mindestpunktzahl pro Station nennt die ÄKNO nicht — anders als etwa Berlin, wo jeder Teil einzeln 60 % erreichen muss.

Bewertet wird nur die Sprache. Eine falsche Diagnose oder eine verfehlte Therapie ist für sich kein Grund zum Durchfallen — Ihre Aussagen müssen aber in sich stimmig sein. Die Kammer nennt selbst ein Beispiel: Wer sagt, bei einer Humerusfraktur sei der Fuß einzugipsen, wird gefragt, was „Humerus“ und „Fuß“ bedeuten. Gefordert ist ein flexibler, notfalls umschreibender Sprachgebrauch.

Das Ergebnis wird Ihnen „zeitnah“ mitgeteilt und an die Bezirksregierung gemeldet. 2023 nahm die ÄKNO mit 2.040 Prüfungen so viele ab wie nie zuvor; 35,8 % fielen durch (2022: 33 %). Im ersten Prüfungsjahr 2014 hatte die Bestehensquote noch bei 74,6 % gelegen.

Wiederholung

Die Prüfung kann mehrmals wiederholt werden, jedes Mal für 430 €. Die ÄKNO empfiehlt, einige Monate zwischen zwei Terminen einzuplanen, um weiter an der Sprache zu arbeiten. Prüfer Dr. Singh rät, genau zu analysieren, woran es lag — Schreiben, Sprechen oder Hörverstehen — und gezielt dort anzusetzen. Mehr dazu: FSP nicht bestanden.

Tipps für die Prüfung in Nordrhein

Ärztin: Entschuldigung, ich möchte Ihren Namen richtig aufschreiben. Könnten Sie ihn bitte buchstabieren?

Patient: P wie Paula, I, E, T, S, C, H …

Quellen

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