Fachsprachprüfung in Rheinland-Pfalz: Ablauf in Mainz, Kosten
Kurz gesagt
In Rheinland-Pfalz nimmt die Bezirksärztekammer Rheinhessen in Mainz die Fachsprachprüfung für das ganze Land ab, im Auftrag der Landesärztekammer und des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV). Sie ist deutlich umfangreicher als anderswo: sechs Teile vom Vokabeltest bis zum Lese- und Hörteil mit Telefonanrufen, mit Wartezeiten 3 bis 3,5 Stunden. Jeder Teil hat eine Mindestpunktzahl, insgesamt brauchen Sie mehr als 60 %. Die Gebühr beträgt seit 1. Januar 2026 470 €.
Auf einen Blick
| Merkmal | Rheinland-Pfalz |
|---|---|
| Prüfende Stelle | Bezirksärztekammer Rheinhessen, Mainz, im Auftrag der Landesärztekammer und des LSJV; das LSJV nennt daneben FaMed in Mainz |
| Anmeldung über | „Qualifizierte Eingangsbestätigung“ des LSJV Koblenz, dann Anmeldung per E-Mail bei der Bezirksärztekammer |
| Gebühr pro Versuch | 470 € (seit 1. Januar 2026) |
| Dauer und Teile | sechs Teile, mit Wartezeiten 3–3,5 Stunden; Teile 1–5 in wechselnder Reihenfolge |
| Schriftlicher Teil | vierseitiger Anamnesebogen (20 Min.) und Untersuchungsanforderung (5 Min.), auf Papier |
| Fachbegriffe-Aufgabe | 20 Fachbegriffe → Patientendeutsch, 20 deutsche Begriffe → lateinisch/griechisch, drei Aufgaben zum Körperschema |
| Erlaubte Hilfsmittel | nicht veröffentlicht; Handy, Tablet und Smartwatch werden abgegeben |
| Ergebnis | direkt im Anschluss; Bescheinigung (Original) nur bei Bestehen |
| Bestehensregel | Mindestpunktzahl in jedem Teil und mehr als 60 % gesamt; Abbruch, sobald ein Teil verfehlt ist |
| Wiederholung | möglich, nach der von der Kommission empfohlenen Vorbereitungszeit; volle Gebühr |
Ablauf der Prüfung in Rheinland-Pfalz
Mit dem verbreiteten Ablauf der FSP — drei Teile zu je 20 Minuten — hat die Mainzer Prüfung wenig gemein. Die Kammer prüft in diesen Teilen:
| Teil | Aufgabe | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Verständnistest: Fachbegriffe übersetzen, Körperschema | 20 + 5 Min. |
| 2 | Freies, teilweise ärztliches Gespräch | 10–15 Min. |
| 3 | Anamnesegespräch und Patientenaufklärung in Alltagssprache | 20 Min. |
| 4 | Untersuchungsanforderung und Anamnesebogen | 5 + 20 Min. |
| 5 | Lesen (einseitiger Text, drei Fragen) und Hören (zwei Telefonanrufe) | 20 Min. |
| 6 | Fachgespräch mit einer „Oberärztin“ oder einem „Oberarzt“ | 15–20 Min. |
Die Teile 1 bis 5 können in unterschiedlicher Reihenfolge geprüft werden; das Fachgespräch kommt am Ende. Zu jedem Teil gibt die Kammer genaue Hinweise:
Verständnistest. Gefordert ist die Übersetzung, nicht die Erklärung — „Antebrachium = Unterarm / nicht: Teil des Arms oberhalb der Hand“. Mehr als eine Übersetzung pro Begriff kostet Punkte, ebenso falsche Groß- und Kleinschreibung. Beim Körperschema sollen die Markierungen exakt und nicht größer als nötig sein. Zur Vorbereitung nennt die Kammer Wörterbücher wie den Pschyrembel; mehr unter Fachbegriffe in der FSP.
Anamnesegespräch. „Es ist nicht erforderlich, eine komplette Anamnese zu erfragen.“ Bewertet wird, wie gut Sie sprechen, verstehen und reagieren. Erfassen Sie Zahlen und Namen korrekt, lassen Sie sich Unbekanntes buchstabieren, und arbeiten Sie keinen auswendig gelernten Fragenkatalog ab. Die am Ende genannten Untersuchungen notieren Sie gesondert — Sie brauchen sie in Teil 4.
Anamnesebogen und Untersuchungsanforderung. In 5 Minuten füllen Sie alle Felder der Untersuchungsanforderung aus: die „Fragestellung“ in Fachsprache an einen Kollegen, die klinischen Angaben so, wie der Patient sie berichtet hat. In 20 Minuten folgt der vierseitige Anamnesebogen. Seite 1 enthält die Stammdaten (Name, Geburtsdatum, Alter, Gewicht, Größe, Wohnort, Hausarzt, Beruf, Familienstand, Kinder) und die aktuelle Anamnese in ganzen Sätzen; Seite 2 Vorerkrankungen und Operationen, Familien- und gynäkologische Anamnese; Seite 3 die vegetative Anamnese, Psyche, Medikamente, Genussmittel und Allergien; Seite 4 Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnosen und die mit dem Patienten besprochenen Untersuchungen. Auf Seite 2 und 3 schreiben Sie ausdrücklich keine ganzen Sätze (sonst Punktabzug). Und Sie übersetzen die Angaben des Patienten nicht in Fachsprache — „Eine Anamnese ist kein Arztbrief“; Fachbegriffe gehören nur auf Seite 4. Viele andere Kammern erwarten im schriftlichen Teil das Gegenteil.
Lesen und Hören. Sie erhalten eine Seite medizinischen Text, etwa einen Befund oder Arztbrief, mit drei Fragen. Antworten Sie kurz und exakt: Überflüssig lange Antworten mit nicht erfragten Informationen kosten Punkte. Dazu kommen zwei Telefonanrufe, deren Inhalt Sie notieren — am besten erst auf einem separaten Blatt, dann leserlich in den Prüfungsbogen. Patientennamen dürfen Sie sich buchstabieren lassen.
Fachgespräch. Von Arzt zu Arzt, in Fachsprache, über den Patienten, das Gelesene und Gehörte oder andere Themen. Medizinische Fehler werden nicht bewertet.
Anmeldung und Termin
Voraussetzung ist ein Antrag auf Berufserlaubnis oder Approbation in Rheinland-Pfalz und die „Qualifizierte Eingangsbestätigung“ (oder ein Zwischenbescheid) des LSJV in Koblenz. Wer den Antrag aus dem Ausland stellt, muss sich laut LSJV vorher von der Zentralen Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) beraten lassen. Angemeldet wird per E-Mail mit aktuellem Anmeldeformular, Eingangsbestätigung, B2-Zertifikat, Lebenslauf und Ausweiskopie als PDF. Wer ein Stellenangebot, eine Hospitation oder einen Wohnsitz in Rheinland-Pfalz hat, wird bevorzugt eingeladen.
Die Termine plant die Kammer quartalsweise, ohne exaktes Wunschdatum; eingeladen wird mindestens zwei Wochen vorher, für ein Visum mindestens acht Wochen vorher. Die 470 € überweisen Sie erst nach Aufforderung; einen Termin gibt es erst nach Zahlungseingang. Sagen Sie weniger als 14 Tage vorher ab oder erscheinen nicht, verfällt die Gebühr; bei früherer Absage oder Verschiebung behält die Kammer die Hälfte ein. Auskünfte gibt es nur schriftlich. Geprüft wird in der Bauhofstraße 5a in Mainz. Wie sich die Gebühr zu anderen Ländern verhält, zeigt Kosten der FSP.
Das LSJV akzeptiert eine Fachsprachprüfung, die nicht älter als drei Jahre ist, und nennt neben der Bezirksärztekammer auch den Anbieter FaMed in Mainz als Ansprechpartner — was das bedeutet, erklärt Anerkennung von telc und FaMed.
Bewertung und Ergebnis
Es prüfen zwei in der Medizin erfahrene Personen mit Deutsch als Muttersprache, mindestens eine mit Approbation. Jeder Teil hat eine Mindestpunktzahl; wird sie verfehlt, bricht die Kommission die Prüfung ab. Die Mindestpunktzahlen allein reichen aber nicht: Insgesamt sind mehr als 60 % nötig, knappe Teilergebnisse müssen also durch überdurchschnittliche ausgeglichen werden. Unverständliches und Unleserliches kostet Punkte.
Das Ergebnis gibt die oder der Vorsitzende direkt nach der Prüfung bekannt; eine Bescheinigung (Original) gibt es nur bei Bestehen. Aktuelle Quoten veröffentlicht die Kammer nicht; 2014 nannte sie eine Durchfallquote von 40 % bei bis dahin 360 Geprüften.
Wiederholung
Die Prüfung kann wiederholt werden, frühestens nach der Vorbereitungszeit, die die Kommission empfiehlt. Davon abweichen dürfen Sie nur aus zwingenden, schriftlich belegten Gründen wie dem Ablauf des Visums oder einem neuen Jobangebot in Rheinland-Pfalz. Für jede Wiederholung brauchen Sie ein neues Anmeldeformular und die volle Gebühr. Mehr zur Planung: FSP nicht bestanden.
Tipps für die Prüfung in Rheinland-Pfalz
Patientenfragen sofort beantworten. Die Ablaufhinweise drohen ausdrücklich mit „Punktabzug bis hin zum Nicht-Bestehen“, wenn Sie Fragen des Patienten ans Ende schieben. Antworten Sie kurz und ehrlich, dann führen Sie zurück:
Beispiel — fiktiver Fall (Frau Demir, 34, wiederkehrende Kopfschmerzen):
Patientin: Meistens rechts, hinter dem Auge. Kann das ein Tumor im Kopf sein?
Ärztin: Ich verstehe, dass Ihnen das Angst macht, und ich nehme die Frage ernst. Nach wenigen Minuten kann ich das noch nicht beurteilen. Genau dafür stelle ich Ihnen jetzt noch einige Fragen, und am Ende sage ich Ihnen, was ich vermute und welche Untersuchungen sinnvoll sind. Ist das in Ordnung?
Patientin: Ja, gut.
Ärztin: Dann noch einmal zu den Schmerzen: Wie fühlen sie sich an — pochend, stechend oder drückend?
Ein „Dazu komme ich am Ende“ wäre hier der teuerste Satz der Prüfung. Mehr zu ängstlichen und fordernden Patienten: Schwierige Patienten.
- Zwei Register auf einem Bogen. Patientenwörter auf Seite 1 bis 3, Fachbegriffe nur auf Seite 4 und in der „Fragestellung“ — üben Sie genau diesen Wechsel.
- Jeder Teil zählt. Weil die Prüfung nach einem verfehlten Teil abbricht, gibt es keinen Teil, den Sie „opfern“ können — und die Reihenfolge erfahren Sie erst am Prüfungstag.
- Frei sprechen üben. Das freie Gespräch in Teil 2 hat kein Drehbuch. Üben Sie laut, auf unerwartete Fragen in ganzen Sätzen zu antworten — etwa in den Sprachgesprächen mit KI-Patienten auf fsppruefung.de, die allerdings das Standardformat und nicht den Mainzer Ablauf nachbilden.
Quellen
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Ärztliche Fachsprachenprüfung
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Informationen zur Fachsprachenprüfung (FSP) für ausländische Ärzte in Rheinland-Pfalz (PDF)
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Ablaufhinweise zur Fachsprachenprüfung (FSP) in Mainz (PDF)
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Anamnesebogen Fachsprachenprüfung (PDF)
- Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung: Approbationen für akademische Heilberufe
- Deutsches Ärzteblatt: Ausländische Ärzte: Umgangssprache reicht nicht aus
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