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Arzt-Arzt-Gespräch in der FSP: Patientenvorstellung mit Beispiel

Kurz gesagt

Im Arzt-Arzt-Gespräch, dem dritten Teil der Fachsprachprüfung, stellen Sie den Patienten aus Teil 1 einem ärztlichen Mitglied der Prüfungskommission vor, das eine Kollegin, einen leitenden Arzt oder eine Oberärztin spielt. Sie sprechen Fachsprache und brauchen rund drei Minuten: Personalien, Vorstellungsgrund, aktuelle Beschwerden, relevante Anamnese, Verdachtsdiagnose mit Differentialdiagnosen, Procedere. Danach folgen Rückfragen und in den meisten Kammern eine kurze Fachbegriffe-Aufgabe. Bewertet wird, wie klar, korrekt und flüssig Sie sprechen — nicht, ob Ihre Diagnose stimmt.

Was die Kammern über Teil 3 sagen

Der Rahmen ist überall ähnlich: rund 20 Minuten, Patientenvorstellung in Fachsprache, danach Rückfragen. Die Details unterscheiden sich:

Was bewertet wird

Nur die Ärztekammer Berlin veröffentlicht ihren Bewertungsbogen für das „Ärztliche Gespräch“. Er hat acht Kriterien zu je 0 bis 2,5 Punkten; von 20 Punkten sind 12 zum Bestehen nötig.

Kriterium im Berliner Bogen Was das praktisch heißt
stellt den Fall flüssig und situationsangemessen vor feste Reihenfolge, ruhiges Tempo, kein Ablesen
drückt sich grammatisch korrekt und gut verständlich aus kurze, vollständige Sätze
verwendet fremdsprachliche Fachwörter korrekt und in angemessenem Umfang Fachbegriffe ja, aber keine Begriffskette ohne Inhalt
trifft klare Aussagen über die wesentlichen Befunde und Behandlungsschritte Verdachtsdiagnose und Procedere eindeutig benennen
kann Rückfragen ohne sprachliche Probleme beantworten auf die Frage antworten, nicht auswendig Gelerntes wiederholen
ist in der Lage, an einer Diskussion über den Fall teilzunehmen begründen, abwägen, auf Einwände eingehen
übersetzt 5 medizinische Fachbegriffe ins Deutsche Vokabelaufgabe am Ende
vervollständigt 2 Abkürzungen, liest 3 Laborwerte korrekt vor Zahlen, Einheiten, Kürzel

Andere Kammern veröffentlichen ihre Bögen nicht, der Berliner Bogen zeigt aber gut, worauf es ankommt: Ein Viertel der Punkte entfällt allein auf Rückfragen und Diskussion. Medizinische Fehler sind nicht das Kriterium. Die Ärztekammer Nordrhein schreibt, es sei „nicht erheblich, ob eine falsche Diagnose gestellt oder eine verfehlte Behandlungsoption genannt wird“. Ihre Aussagen müssen aber in sich stimmig sein: Ein Satz wie „Bei einer Humerusfraktur ist der Fuß einzugipsen“ führe zur Nachfrage, ob Sie die Wörter „Humerus“ und „Fuß“ verstehen. Mehr zur Bewertung aller drei Teile: Bewertung der FSP.

Aufbau der Patientenvorstellung

Eine gute Vorstellung folgt immer derselben Reihenfolge. Die Zeitangaben sind Richtwerte für etwa drei Minuten, keine Kammervorgabe.

Block Inhalt Richtwert
1. Personalien Name, Alter, ggf. Beruf, wo und wann der Patient sich vorgestellt hat ca. 10 Sekunden
2. Vorstellungsgrund das Leitsymptom in einem Satz ca. 10 Sekunden
3. Aktuelle Beschwerden Beginn, Lokalisation, Charakter, Ausstrahlung, Verlauf, Auslöser, Begleitsymptome ca. 45–60 Sekunden
4. Relevante Anamnese und Risikofaktoren Vorerkrankungen, Medikation mit Dosis, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese ca. 30–45 Sekunden
5. Verdachtsdiagnose und Differentialdiagnosen mit Begründung: was spricht dafür, was dagegen ca. 30–45 Sekunden
6. Procedere Diagnostik in sinnvoller Reihenfolge, Therapie, Aufnahme ca. 20–30 Sekunden

Zwei Regeln helfen: Erstens gibt es in der FSP keine körperliche Untersuchung, also auch keine Befunde. Erfinden Sie keine, und sprechen Sie von „geplanter Diagnostik“. Nur wenn Ihnen die Prüfer Unterlagen vorlegen, bauen Sie diese ein. Zweitens hängt die Vorstellung an Ihren Notizen aus Teil 1. Was Sie dort nicht erfragt haben, können Sie hier nicht berichten. Wie Sie die Notizen gleich nach diesen sechs Blöcken ordnen, steht unter Notizen und Zeitmanagement.

Redemittel für jeden Block

Im Gespräch reicht der Indikativ mit einer Redeeinleitung („Der Patient berichtet, dass …“). Den Konjunktiv I dürfen Sie verwenden, er ist hier aber kein Muss (anders als im schriftlichen Teil, siehe Konjunktiv I).

1. Einstieg und Personalien

2. Vorstellungsgrund

3. Aktuelle Beschwerden

4. Relevante Anamnese und Risikofaktoren

5. Verdachtsdiagnose und Differentialdiagnosen

6. Procedere und Abschluss

Beispiel — fiktiver Fall: Patientenvorstellung in drei Minuten

Grundlage ist der fiktive Fall „Drückender Thoraxschmerz bei Belastung“ aus dem Simulator von fsppruefung.de: Herr Werner Hoffmann, 58 Jahre. Die Vorstellung hat rund 400 Wörter, in ruhigem Tempo sind das etwa drei Minuten. Medizinisch bleibt sie bei Lehrbuchaussagen; sie ist Sprachmaterial, keine Behandlungsempfehlung.

Oberärztin: Guten Morgen. Wen haben Sie für mich?

Kandidatin: Guten Morgen, Frau Dr. Weber. Ich möchte Ihnen Herrn Werner Hoffmann vorstellen. Herr Hoffmann ist 58 Jahre alt, von Beruf Speditionskaufmann, und hat sich heute in der Notaufnahme mit seit dem Morgen bestehenden Thoraxschmerzen vorgestellt.

Die Beschwerden haben heute gegen sieben Uhr beim Treppensteigen zur S-Bahn begonnen. Der Patient beschreibt einen drückenden, retrosternalen Schmerz mit Engegefühl, „wie ein Gewicht auf der Brust“, mit Ausstrahlung in den linken Arm. Die Schmerzen verstärken sich bei Belastung und bessern sich in Ruhe nach einigen Minuten. Zum Zeitpunkt des Gesprächs waren sie rückläufig, aber nicht ganz verschwunden. Begleitend bestanden Kaltschweißigkeit und Übelkeit. Eine ähnliche, aber schwächere Episode trat bereits vor zwei Wochen auf; damals war er nicht beim Arzt.

An Vorerkrankungen sind eine arterielle Hypertonie und eine Hyperlipidämie bekannt. Er nimmt Ramipril 5 Milligramm ein, nach eigenen Angaben aber unregelmäßig. Allergien sind keine bekannt. Er raucht seit dem 20. Lebensjahr etwa eine Schachtel pro Tag, das sind rund 38 Packungsjahre. Alkohol trinkt er am Wochenende zwei bis drei Flaschen Bier. Familienanamnestisch ist der Vater mit 61 Jahren an einem Myokardinfarkt verstorben. Herr Hoffmann ist verheiratet. Er verharmlost die Beschwerden etwas und möchte möglichst schnell wieder arbeiten.

Zusammenfassend handelt es sich um einen 58-jährigen Patienten mit typischer Angina-pectoris-Symptomatik, Crescendo-Charakter und ausgeprägtem kardiovaskulärem Risikoprofil. Meine Verdachtsdiagnose ist eine instabile Angina pectoris im Rahmen eines akuten Koronarsyndroms. Dafür sprechen der drückende retrosternale Schmerz mit Ausstrahlung in den linken Arm, die Belastungsabhängigkeit, die vegetative Begleitsymptomatik und die Zunahme der Beschwerden seit zwei Wochen. Differentialdiagnostisch muss ich vor allem einen Myokardinfarkt, also einen NSTEMI oder STEMI, ausschließen. Außerdem kommen eine Lungenarterienembolie und eine Aortendissektion in Betracht, die bei akutem Thoraxschmerz immer ausgeschlossen werden müssen. Weniger wahrscheinlich sind eine Refluxösophagitis und ein muskuloskelettaler Thoraxschmerz.

Zum Procedere: Ich würde den Patienten stationär aufnehmen und am Monitor überwachen. Sofort würde ich ein 12-Kanal-EKG schreiben und Troponin im Verlauf bestimmen, dazu ein Labor mit Blutbild, Elektrolyten, Nierenwerten, Blutzucker, Lipidprofil und Gerinnung. Außerdem ist eine Echokardiographie geplant. Abhängig von EKG und Troponinverlauf würde ich die Koronarangiographie mit Ihnen besprechen. Die Akuttherapie würde ich nach dem ACS-Standard der Klinik beginnen. Im Verlauf sollten wir mit Herrn Hoffmann über einen Rauchstopp und die regelmäßige Einnahme seiner Medikamente sprechen. Das wäre meine Vorstellung. Haben Sie Fragen?

Oberärztin: Danke, sehr übersichtlich. Dann ein paar Fragen.

Was diese Vorstellung richtig macht: Sie hält die sechs Blöcke ein, nennt Zahlen konkret (Uhrzeit, Dosis, Packungsjahre, Alter des Vaters), begründet die Verdachtsdiagnose mit Angaben aus dem Gespräch und erfindet keine Befunde. Ein einziges Patientenzitat („wie ein Gewicht auf der Brust“) ist erlaubt und macht die Vorstellung lebendig; der Rest ist Fachsprache.

Typische Rückfragen mit Musterantworten

Rückfragen prüfen zweierlei: ob Sie Teil 1 wirklich verstanden haben (Detailfragen) und ob Sie frei in Fachsprache argumentieren können. Antworten Sie nach dem Muster Einschätzung → Begründung → Konsequenz, in zwei bis vier Sätzen. Die folgenden Fragen stammen aus dem Fragenkatalog des fiktiven Falls.

Oberärztin: Seit wann genau hat er die Beschwerden?

Kandidatin: Seit heute Morgen gegen sieben Uhr. Sie begannen beim Treppensteigen zur S-Bahn, also unter Belastung. Das passt zu einer kardialen Ursache und war für mich ein wichtiges Argument für die Verdachtsdiagnose.

Oberärztin: Welche Differentialdiagnosen erwägen Sie und warum?

Kandidatin: An erster Stelle steht für mich ein Myokardinfarkt. Klinisch lässt er sich von der instabilen Angina nicht sicher unterscheiden, das gelingt erst mit EKG und Troponin. Deshalb hat das EKG sofort Priorität. Lungenarterienembolie und Aortendissektion nenne ich, weil sie ebenfalls lebensbedrohlich sind und bei akutem Thoraxschmerz ausgeschlossen werden müssen.

Oberärztin: Wie interpretieren Sie die Crescendo-Symptomatik der letzten zwei Wochen?

Kandidatin: Als Zeichen einer instabilen Situation. Die Beschwerden waren vor zwei Wochen schwächer und sind jetzt stärker und länger. Das spricht für eine instabile Angina pectoris, und deshalb nehme ich den Patienten stationär auf, statt ihn ambulant abzuklären.

Oberärztin: Was machen Sie, wenn das Troponin positiv ausfällt?

Kandidatin: Dann spricht das zusammen mit der Klinik für einen Myokardinfarkt; zeigt das EKG keine ST-Hebungen, für einen NSTEMI. Die Konsequenz wäre eine Koronarangiographie. Den Zeitpunkt würde ich mit der Kardiologie festlegen.

Oberärztin: Welche Risikofaktoren sind modifizierbar?

Kandidatin: Modifizierbar sind der Nikotinabusus, die arterielle Hypertonie und die Hyperlipidämie, nicht dagegen Alter, Geschlecht und die positive Familienanamnese. Beim Blutdruck ist das Hauptproblem die unregelmäßige Einnahme von Ramipril. Ich würde deshalb mit ihm über einen Rauchstopp und die Medikamenteneinnahme sprechen und den Hausarzt im Entlassbrief darauf hinweisen.

Unterbrechungen sind normal und kein schlechtes Zeichen. Beantworten Sie die Zwischenfrage und kehren Sie dann zu Ihrer Struktur zurück: „Darf ich noch kurz das Procedere ergänzen?“

Eine Untersuchung erklären: die Aufklärungsfrage

Manchmal wechselt die Prüferin die Rolle: „Herr Hoffmann hat gefragt, was ein Herzkatheter ist. Wie erklären Sie es ihm?“ Jetzt ist Alltagssprache gefragt. Genau diesen Wechsel nennt die Bayerische Landesärztekammer als Anforderung: „den Wechsel zwischen medizinischer Fach- und Umgangssprache souverän zu meistern“.

Als Gerüst eignen sich die Punkte, die § 630e BGB für eine Aufklärung nennt — unter anderem Art, Durchführung, Folgen und Risiken, Notwendigkeit, Dringlichkeit und Alternativen; die Aufklärung muss mündlich, rechtzeitig und verständlich sein. Sprachlich heißt das:

  1. Was? „Bei einer Herzkatheteruntersuchung schauen wir uns die Herzkranzgefäße von innen an.“
  2. Warum? „Wir möchten sehen, ob ein Gefäß verengt ist — das könnte Ihre Schmerzen erklären.“
  3. Wie läuft es ab? „Zuerst … dann … danach …“
  4. Was spüren Sie? „Die Einstichstelle wird örtlich betäubt. Sie sind während der Untersuchung wach.“
  5. Risiken: „Wie bei jedem Eingriff gibt es Risiken. Die gehen wir gemeinsam anhand des Aufklärungsbogens durch.“
  6. Alternativen: „Es gibt auch andere Untersuchungen. In Ihrer Situation empfehle ich aber den Herzkatheter, weil …“
  7. Verständnis sichern: „Haben Sie dazu noch Fragen?“

Kandidatin: Herr Hoffmann, bei einer Herzkatheteruntersuchung schauen wir uns die Gefäße an, die Ihren Herzmuskel mit Blut versorgen. Dafür schieben wir einen dünnen, weichen Schlauch über ein Blutgefäß am Handgelenk oder in der Leiste bis zum Herzen. Die Einstichstelle wird vorher betäubt, Sie sind die ganze Zeit wach. Über den Schlauch geben wir ein Kontrastmittel und machen Röntgenbilder. Wenn ein Gefäß verengt ist, können wir es oft gleich mit einem kleinen Ballon aufdehnen und mit einer Gefäßstütze, einem sogenannten Stent, offen halten. Wie bei jedem Eingriff gibt es Risiken; die besprechen wir ausführlich anhand des Aufklärungsbogens. Was möchten Sie dazu noch wissen?

Bewertet wird hier die Sprache: kurze Sätze, kein unerklärter Fachbegriff („ein Stent, also eine kleine Gefäßstütze“), eine klare Reihenfolge und eine Einladung zu Fragen. Welche Risiken konkret zu nennen sind, steht im Aufklärungsbogen der jeweiligen Klinik.

Wenn Sie eine Antwort nicht wissen

Was Prüfer über Teil 3 sagen

Dr. Karl Breu, Fachsprachenprüfer und Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesärztekammer, beschreibt im Bayerischen Ärzteblatt 3/2025, was Teil 3 zeigt: „Hier stellt sich heraus, ob alle anamnestischen Angaben aus dem Patientengespräch erfasst und kausale Zusammenhänge verstanden worden sind.“ Gefordert sei, alle relevanten Sachverhalte „adressatengerecht (Berufsangehöriger), selbstständig, flüssig, souverän und sprachlich detailliert, strukturiert sowie klar verständlich darzustellen“, ein breites Spektrum an Fachbegriffen zu beherrschen und Abkürzungen sicher zu verwenden. Als Grund für das Nichtbestehen nennt er unter anderem, dass viele Kandidatinnen und Kandidaten „Schwierigkeiten mit der medizinischen Fachsprache“ haben: Fachbegriffe korrekt verwenden, klar und präzise formulieren, Synonyme und Formulierungen für Laien richtig einsetzen.

Ein Prüfer der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Jaswant Singh, sieht es so: Das Kollegengespräch und die schriftliche Dokumentation laufen „in der Regel besser als das Gespräch mit den Schauspielpatienten“. Für die Vorbereitung heißt das: Teil 3 ist selten der Teil, an dem es allein scheitert. Aber hier wird sichtbar, was in Teil 1 gefehlt hat. Die beste Vorbereitung auf das Arzt-Arzt-Gespräch ist deshalb eine vollständige Anamnese. Im Simulator von fsppruefung.de spielt in Teil 3 eine KI die Oberärztin, stellt fallbezogene Rückfragen und schließt mit einer Fachbegriffe-Aufgabe.

Quellen

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