Fachsprachprüfung in Berlin: Ablauf, Kosten, Anmeldung
Kurz gesagt
In Berlin nimmt die Ärztekammer Berlin die Fachsprachprüfung für Antragstellende beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) ab. Sie dauert 3 × 20 Minuten, kostet 550 € pro Versuch und ist nur bestanden, wenn Sie in jedem der drei Teile mindestens 12 von 20 Punkten erreichen. Berlin ist die einzige Kammer, die ihre Bewertungsbögen veröffentlicht — Sie können also genau nachlesen, wofür es Punkte gibt. Ein telc-Zertifikat ersetzt die Prüfung in Berlin nicht.
Auf einen Blick
| Thema | Regelung in Berlin |
|---|---|
| Prüfende Stelle | Ärztekammer Berlin, Friedrichstraße 16, 10969 Berlin |
| Anmeldung über | Online-Formular der Kammer, erst mit der Eingangsbestätigung des LAGeSo |
| Gebühr pro Versuch | 550 €, per Überweisung binnen zwei Wochen |
| Dauer und Teile | 3 × 20 Minuten: Simulationsanamnese, Dokumentation, Ärztliches Gespräch |
| Teil 2 (Dokumentation) | Kurzbericht auf einer strukturierten Vorlage, am Computer oder von Hand |
| Fachbegriffe-Aufgabe | 5 Fachbegriffe, 2 Abkürzungen, 3 Laborwerte mit Zahlen und Einheiten (in Teil 3) |
| Erlaubte Hilfsmittel | Eigene Notizen aus Teil 1; in Teil 2 ein ausliegendes medizinisches Fachwörterbuch |
| Ergebnis | Frühestens zehn Tage nach der Prüfung, als PDF per E-Mail |
| Bestehensregel | Mindestens 12 von 20 Punkten (60 %) in jedem Teil |
| Wiederholung | Unbegrenzt, nur als Ganzes, erneut 550 € |
Ablauf der Prüfung in Berlin
Die Prüfung ist eine Einzelprüfung vor einem Ausschuss aus mindestens zwei Prüfenden, von denen mindestens eine Person Ärztin oder Arzt ist. Zu Beginn stellt sich der Ausschuss vor und freut sich, wenn Sie kurz etwas zu Ihrer Person und Ihrem beruflichen Werdegang sagen — zwei, drei vorbereitete Sätze genügen. Den allgemeinen Aufbau der FSP erklärt Ablauf der Fachsprachprüfung; hier steht, was Berlin konkret vorgibt.
Teil 1: Simulationsanamnese (20 Minuten)
Sie erheben bei einer gespielten Patientin oder einem gespielten Patienten persönliche Angaben, aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten- und Familienanamnese. Danach teilen Sie Ihre Verdachtsdiagnosen mit, erläutern sie auf Nachfrage, schlagen Diagnostik und Therapie vor und erklären die Maßnahmen in leicht verständlichen Worten. Notizen sind erlaubt; vorlegen müssen Sie sie nicht, abgeben aber am Ende schon.
Teil 2: Dokumentation (20 Minuten)
Sie fassen den Fall „zur Information von ärztlichen Kolleginnen oder Kollegen“ als Kurzbericht auf einer strukturierten Vorlage zusammen. Mindestens die aktuelle Anamnese schreiben Sie in ganzen Sätzen. Ob Sie den bereitstehenden Computer nutzen oder von Hand schreiben, entscheiden Sie selbst. Ihre Notizen aus Teil 1 und das ausliegende medizinische Fachwörterbuch dürfen Sie verwenden.
Teil 3: Ärztliches Gespräch (20 Minuten)
Sie berichten einer ärztlichen Prüferin oder einem Prüfer in der Rolle der leitenden Ärztin bzw. des leitenden Arztes über den Fall und beantworten Rückfragen. Danach folgt die Berliner Besonderheit: fünf Fachbegriffe ins Deutsche übersetzen, zwei Abkürzungen vervollständigen, drei Laborwerte mit Zahlen und Maßeinheiten korrekt vorlesen.
Anmeldung und Termin
- Sie beantragen Approbation oder Berufserlaubnis beim LAGeSo. Das LAGeSo entscheidet auch, ob Sie den Test überhaupt brauchen: Wer mindestens zehn Jahre eine deutschsprachige Schule besucht oder eine mindestens dreijährige Berufsausbildung auf Deutsch abgeschlossen hat, ist in der Regel befreit.
- Mit der Eingangsbestätigung des LAGeSo melden Sie sich über das Online-Formular der Ärztekammer an und reichen das unterschriebene Formular, eine Ausweiskopie und die Bestätigung ein.
- Sie erhalten einen Gebührenbescheid über 550 €, zahlbar per Überweisung binnen zwei Wochen; bar zahlen können Sie nicht.
- Nach Zahlungseingang fragt die Kammer per E-Mail, ob Sie den nächsten freien Termin wahrnehmen möchten. Die Ladung kommt spätestens zwei Wochen vor dem Termin.
Termine veröffentlicht die Kammer nicht, sie nennt sie nur auf Anfrage. Zeitwünsche können Sie im Bemerkungsfeld des Anmeldeformulars angeben.
Absagen: Bis zum Zugang der Ladung bzw. bis spätestens 14 Tage vor dem Termin ist die Absage gebührenfrei, eine bereits gezahlte Gebühr wird erstattet. Bei späterer Absage aus wichtigem Grund behält die Kammer 100 € ein; ohne wichtigen Grund sind eine neue Anmeldung und die volle Gebühr fällig. Vergleich der Länder: FSP-Kosten nach Bundesland.
telc: Das Zertifikat „telc Deutsch B2-C1 Medizin“ ersetzt die Prüfung nicht; das LAGeSo akzeptiert nur eine bei der Ärztekammer Berlin bestandene Fachsprachprüfung. Welche Länder anders verfahren, erklärt FSP, telc und FaMed.
Bewertung und Ergebnis
Jeder Teil wird auf einem eigenen Bewertungsbogen mit acht Kriterien bewertet. Jedes Kriterium erhält 0 bis 2,5 Punkte in halben Schritten: 2,5 = sehr gut, 2 = gut, 1,5 = befriedigend, 1 = nicht befriedigend, 0,5 = mangelhaft, 0 = gänzlich verfehlt. Pro Teil sind 20 Punkte möglich, insgesamt 60. Bestanden ist die Prüfung nur, wenn jeder Teil mindestens 12 Punkte erreicht — ein starkes Arzt-Arzt-Gespräch gleicht eine schwache Dokumentation nicht aus. Wie andere Kammern bewerten, vergleicht Bewertung der FSP.
Teil 1 — Simulationsanamnese. Die Kandidatin oder der Kandidat …
- stellt eine professionell-persönliche Kommunikation her,
- drückt sich klar und detailliert aus,
- hat eine gut verständliche Aussprache,
- weicht gewinnbringend von vorgegebenen Schemata ab,
- führt das Gespräch zielgerichtet und situationsbezogen,
- ist in der Lage, Sachverhalte flüssig zu erklären,
- versteht das Gegenüber problemlos,
- erklärt das weitere Vorgehen verständlich und patientengerecht.
Teil 2 — Schriftliche Dokumentation. Das Dokument …
- ist der Simulationspatientin oder dem Simulationspatienten sicher zuzuordnen (hier gibt es nur 2,5, 1,5 oder 0 Punkte),
- ist strukturiert und vollständig abgefasst,
- ist grammatisch korrekt,
- ist orthografisch korrekt,
- zeigt die nötige Detailtiefe,
- enthält korrekt angewandte fremdsprachliche Fachwörter in angemessenem Umfang,
- gibt die wesentlichen Anamnesebefunde semantisch korrekt wieder,
- trifft klare Aussagen über die wesentlichen Behandlungsschritte.
Teil 3 — Ärztliches Gespräch. Die Kandidatin oder der Kandidat …
- stellt den Fall flüssig und situationsangemessen vor,
- drückt sich grammatisch korrekt und gut verständlich aus,
- verwendet fremdsprachliche Fachwörter korrekt und in angemessenem Umfang,
- trifft klare Aussagen über die wesentlichen Befunde und Behandlungsschritte,
- kann Rückfragen ohne sprachliche Probleme beantworten,
- ist in der Lage, an einer Diskussion über den Fall teilzunehmen,
- übersetzt fünf medizinische Fachbegriffe ins Deutsche,
- vervollständigt zwei Abkürzungen und liest drei Laborwerte mit Zahlen und Maßeinheiten korrekt vor.
Kein Kriterium fragt, ob Ihre Diagnose stimmt. Die Aufgabenstellung sagt es ausdrücklich: „Es geht nicht um die Überprüfung von Fachwissen.“
Das Ergebnis steht frühestens zehn Tage nach der Prüfung fest und kommt als PDF-Bescheinigung per E-Mail; telefonische Nachfragen möchte die Kammer nicht. Nach bestandener Prüfung leiten Sie die Bescheinigung an das LAGeSo weiter, und Ihr Approbationsverfahren läuft weiter. Einen Widerspruch gegen das Ergebnis können Sie bei der Ärztekammer nicht einlegen, nur gegen Entscheidungen des LAGeSo.
Wiederholung
Wer nicht besteht, wiederholt alle drei Teile; einzelne Teile lassen sich nicht nachholen. Die Zahl der Versuche ist nicht begrenzt, jede Wiederholung erfordert eine neue Anmeldung und erneut 550 €. Die Kammer empfiehlt einen Lernzeitraum von mindestens drei Monaten; jeder Bewertungsbogen hat ein Feld für die Empfehlung der Prüfenden zur Nachbesserung der Sprachkenntnisse. Wie Sie einen Fehlversuch auswerten: FSP nicht bestanden.
Tipps für die Prüfung in Berlin
- Den schwächsten Teil zuerst trainieren. Weil jeder Teil für sich 12 Punkte braucht, entscheidet Ihr schwächster Teil über das Ergebnis.
- Kein starres Frageschema. Teil 1 belohnt ausdrücklich, wenn Sie „gewinnbringend von vorgegebenen Schemata“ abweichen — also auf das eingehen, was die Patientin sagt, statt eine auswendig gelernte Liste abzuarbeiten.
- Name und Geburtsdatum sauber erfassen. Die Zuordnung des Dokuments zur Patientin ist das einzige Kriterium mit nur drei Stufen; unter der vollen Punktzahl liegt gleich die nächste Stufe einen ganzen Punkt tiefer. Lassen Sie sich ungewohnte Namen buchstabieren.
- Computer oder Hand bewusst wählen. Grammatik und Rechtschreibung sind in Teil 2 eigene Kriterien; nehmen Sie das Medium, in dem Sie fehlerärmer schreiben.
- Laborwerte laut vorlesen üben. Zahl, Komma und Einheit müssen stimmen. Übungsbeispiele (keine Originalaufgaben): „Kalium 4,1 mmol/l“ wird zu „Kalium vier Komma eins Millimol pro Liter“, „Leukozyten 12.000/µl“ zu „zwölftausend pro Mikroliter“. Referenzbereiche hängen vom Labor ab und sind hier nicht gefragt. Mehr unter Laborwerte und Abkürzungen.
- Rückfragen ernst nehmen. Zwei der acht Kriterien in Teil 3 bewerten, wie Sie Rückfragen beantworten und mitdiskutieren — üben Sie auch das Gespräch nach der Fallvorstellung.
Quellen
- Ärztekammer Berlin: Fachsprachprüfung
- Ärztekammer Berlin: Beschreibung der Aufgabenstellung und Prüfungsanforderungen (PDF)
- Ärztekammer Berlin: Musterbewertungsbogen Simulationsanamnese (PDF)
- Ärztekammer Berlin: Musterbewertungsbogen Schriftliche Dokumentation (PDF)
- Ärztekammer Berlin: Musterbewertungsbogen Ärztliches Gespräch (PDF)
- LAGeSo Berlin: Hinweise zum Fachsprachentest für Ärztinnen/Ärzte (PDF)
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